Wann zahlt die Haft­pflicht­versicherung bei Kindern?


Ratgeber

Familien­haftpflicht­versicherung – Wie lange sind Kinder mitversichert?

In unserer Familienhaftpflicht sind die meisten Familienmitglieder im selben Haushalt mitversichert. Dazu gehören auch Kinder. Diese sind grundsätzlich bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres mitversichert. Darüber hinaus sind sie ohne Altersbegrenzung und weitere Einschränkungen mitversichert, solange sie bei Ihnen im Haushalt wohnen und nicht verheiratet sind.

Wenn Ihre Kinder nicht mehr mit Ihnen gemeinsam im Haushalt leben, sind sie ebenfalls unter bestimmten Voraussetzungen mitversichert:

  • Während der Schulausbildung
  • Während der beruflichen Erstausbildung oder des Studiums
  • Bei der Wartezeit auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz im Anschluss an die Schulausbildung oder eine Erstausbildung (maximal ein Jahr)
  • Nach Abschluss der Schul- oder Erstausbildung ohne folgende Ausbildungen besteht noch für ein weiteres Jahr Versicherungsschutz (maximal bis zum 30. Geburtstag)
  • Als Au-pair und bei der Teilnahme an Work & Travel-Programmen vor, während oder direkt nach der Erstausbildung bis zu einem Jahr Dauer weltweit
  • Freiwillige soziale Dienste sind bis zu einem Jahr ebenfalls mitversichert, genauso wie der freiwillige Wehrdienst

Ist keiner der oben genannten Punkte erfüllt, so sind Ihre Kinder nicht mehr mitversichert und brauchen ihre eigene Privathaftpflichtversicherung.

Wer haftet für Schäden durch Kinder?

Jeder kennt das Baustellenschild „Eltern haften für Ihre Kinder“. Aber ist das überhaupt grundsätzlich so?

Nicht in allen Fällen müssen Eltern tatsächlich für Ihre Kinder haften. Es kommt immer auf den Einzelfall an, der geprüft werden muss. Zunächst erfolgt eine Prüfung der Deliktsfähigkeit des Kindes. Wenn Kinder ihr Verhalten und die Konsequenzen daraus nicht überblicken können, gelten sie als deliktsunfähig und haben grundsätzlich keine Schuld an ihrem Verhalten.

Im nächsten Schritt wird die Aufsichtspflicht der Eltern untersucht. Insbesondere ältere Kinder müssen nicht ständig beaufsichtigt werden. Wenn das Kind, das den Schaden verursacht hat, noch deliktsunfähig ist und die Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben, hat der Geschädigte keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Entschädigungsleistung.

Was sind deliktsunfähige Kinder?

Der Gesetzgeber hat im Schadensersatzrecht verschiedene Altersgrenzen für die Deliktsfähigkeit von Kindern vorgesehen. Kinder bis zu einem Alter von 7 Jahren sind generell deliktsunfähig. Das bedeutet, dass sie für ihre Handlungen niemals haftbar gemacht werden können. Im Straßenverkehr gilt diese Regelung sogar bis zu einem Alter von 10 Jahren, da die Teilnahme am Straßenverkehr besonders komplex ist. Kinder, die älter als 7, aber noch nicht volljährig sind, haften nicht immer für ihre Handlungen. Sie gelten als beschränkt deliktsfähig. Das bedeutet, dass je nach Tat des Kindes eine Einzelfallprüfung zur Haftung stattfindet.

Wann verletze ich die Aufsichtspflicht für meine Kinder?

Kommt es zu einem Schaden mit einer Schadensersatzforderung, steht neben der Haftung des Kindes häufig auch eine eventuelle Aufsichtspflichtverletzung durch die Eltern im Raum. Es gibt aber kaum allgemeingültige Aussagen zur Aufsichtspflicht, da diese durch den Gesetzgeber nicht genau umrissen ist. Bei der Bewertung werden verschiedene Faktoren berücksichtigt:

  • Alter
  • Reifezustand
  • Charakter
  • Bestehender Erfahrungsstand
  • Äußere Umstände wie z.B. Umgebung, Art der Handlung vor dem Schaden

Kommt es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, prüft das zuständige Gericht sehr genau, inwieweit eine Aufsichtspflichtverletzung angenommen werden kann. So hat das Amtsgericht Augsburg im Rahmen eines Prozesses beispielsweise festgestellt, dass 3-jährige Kinder im Supermarkt nicht durchgängig an der Hand oder dem Einkaufswagen ihrer Eltern bleiben müssen. Es reiche völlig aus, wenn sie in Sicht- und Hörweite der Eltern bleiben. Einer 5-jährigen, die schon seit geraumer Zeit sicher Fahrrad fährt, kann erlaubt werden, einen Teil der Strecke alleine vorauszufahren. Wenn dabei im Gedränge vor dem Kindergarten das Fahrrad umstürzt und gegen ein Auto fällt, kann man den Eltern keine Verletzung der Aufsichtspflicht vorwerfen. Ein entsprechendes Urteil hat das Amtsgericht München gesprochen.

Schadenbeispiele

Der Fußball und die Scheibe des Nachbarn

Lisa-Marie spielt gerne Fußball. Die 6-jährige verbringt so gut wie alle freien Nachmittage damit, im Garten gegen den Ball zu treten. Eines Tages ging jedoch etwas schief. Statt wie sonst ins Tor flog der Ball nach einem misslungenen Schuss in hohem Bogen in die Scheibe der älteren Nachbarin. Diese war nicht besonders begeistert und wollte den Schaden von Lisa-Maries Eltern ersetzt haben. Lisa-Marie ist aufgrund ihres Alters noch deliktsunfähig und haftet nicht für ihre Handlung. Ihre Eltern haben ihre Aufsichtspflicht ebenfalls nicht verletzt, weil sie sich im Haus befanden und regelmäßig nach Lisa-Marie geschaut haben. Die Nachbarin hat Pech, sie bleibt auf ihrem Schaden „sitzen“.

Einkaufswagen und Autos

Henry geht gern mit seinen Eltern einkaufen. Obwohl er erst 5 Jahre alt ist, darf er den Einkaufswagen schieben, während seine Eltern die Einkäufe in ihr Fahrzeug laden. Als er den Wagen zurück zum Laden schieben will, passiert es: Er fährt gegen ein anderes Auto und verursacht einen tiefen Kratzer. Seine Eltern haben davon gar nichts mitbekommen. Der Besitzer des Fahrzeugs möchte die Kosten für die Ausbesserung ersetzt bekommen. Mit 5 Jahren ist Henry deliktsunfähig, aber seine Eltern haben wohl ihre Aufsichtspflicht verletzt, weil sie nicht darauf geachtet haben, was Henry mit dem Einkaufswagen auf dem Parkplatz macht. Die Privathaftpflichtversicherung der Eltern übernimmt den Schaden.

Zahlt die Haftpflicht auch bei Schäden, bei denen die Aufsichtspflicht nicht verletzt ist?

Die private Haftpflichtversicherung hat prinzipiell drei Aufgaben: Zuerst kommt die Prüfung der Haftungsfrage, dann soll die Versicherung berechtigte Forderungen bezahlen und unberechtigte Forderungen abwehren.

Wenn nun ein Schaden durch Ihr deliktsunfähiges Kind verursacht wurde, muss die Privathaftpflichtversicherung die Forderungen des Geschädigten zurückweisen, wenn Sie Ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben. Wir vereinbaren in unserer Privathaftpflicht aber eine zusätzliche Klausel für „Schäden durch deliktsunfähige Kinder“.

Wir verzichten dabei in bestimmten Fällen darauf, uns auf die Deliktsunfähigkeit zu berufen. Diese Fälle sind gegeben, wenn Sie ein berechtigtes Interesse daran haben, dass der Schaden reguliert wird. Zudem müssen Sie für den Zeitraum, in dem der Schadenfall passiert ist, die Aufsichtspflicht für Ihr Kind gehabt haben. Zusätzlich darf kein anderer Versicherer für den Schadenfall leistungspflichtig sein. Letzteres ist zum Beispiel der Fall, wenn Ihr Kind ein Fahrzeug zerkratzt hat und der Besitzer des Fahrzeugs keine Kaskoversicherung besitzt.

In Ihrem Interesse liegen Zahlungen, wenn Sie den Nachbarschafts- oder Familienfrieden bewahren möchten.

  • Die zerstörte Scheibe im ersten Schadenfall ist ein passendes Beispiel. Um das gute Verhältnis zur Nachbarin nicht zu zerstören, möchte die Familie von Lisa-Marie die zerstörte Scheibe der Nachbarin bezahlen, auch wenn sie nicht dazu verpflichtet wäre.
  • Im zweiten Schadenbeispiel sieht es anders aus. Hier wurde das Fahrzeug einer fremden Person beschädigt, sodass die Eltern von Henry im Normalfall kein berechtigtes Interesse an einer Regulierung des Schadens haben. Allerdings sind in diesem Fall die Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen. Und somit leistet auch hier die private Haftpflichtversicherung.

Für Oma und Opa, die auf die lieben Kleinen aufpassen, gilt der Versicherungsschutz nur, wenn sie mit Ihnen in häuslicher Gemeinschaft leben. Ansonsten müssen die Großeltern selbst versichert sein. Passt Ihr Ehepartner oder Ihr eingetragener Lebenspartner auf, besteht selbstverständlich auch Versicherungsschutz, da dieser in der Familienhaftpflicht mitversichert ist.

Noch Fragen? Wir beraten Sie gern

Gern unterstützen wir Sie bei allen Fragen rund um die ausgezeichnete Familienhaftpflichtversicherung der HUK-COBURG. Sie erreichen uns persönlich vor Ort oder telefonisch über unsere Servicehotline. Unsere kompetenten und freundlichen Mitarbeiter beantworten Ihre Fragen und erarbeiten mit Ihnen gemeinsam einen maßgeschneiderten Versicherungsschutz für Ihre Familie. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

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