Elektroautos

Elektroautos: Strom tanken entlastet Natur und Geldbeutel

Sie sind umweltbewusst und bewegen sich meistens in einem Radius von rund 100 km um Ihren Wohnort? Dann haben Sie sicher schon einmal über die Anschaffung eines Elektroautos nachgedacht. Wer Strom tankt, entlastet nicht nur die Umwelt, sondern auch seinen Geldbeutel.


Inhaltsverzeichnis


Eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020?

Laut Kraftfahrt-Bundesamt hatten Anfang 2017 von den 45,8 Millionen zugelassenen Pkw in Deutschland rund 55.000 Fahrzeuge einen Elektro- oder Plug in-Hybridantrieb, davon waren 34.000 rein elektrisch angetrieben. Demnach liegt der Anteil der Elektro- und Hybridautos aktuell bei lediglich 0,1%.

Das könnte sich in Zukunft ändern, denn gerade für den Stadtverkehr scheint das Elektroauto eine saubere Lösung zu bieten. So wundert es nicht, dass alle Hersteller derzeit an E-Autos arbeiten. 2025 möchte BMW 25 Elektromodelle anbieten, VW ab diesem Zeitpunkt gar eine Million E-Autos jährlich verkaufen.

Von staatlicher Seite gibt es bereits seit 2016 eine Kaufprämie. Immerhin will die Bundesregierung bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen bringen und bis 2030 sollen es bereits 6 Millionen sein. Keine Frage: E-Mobilität ist im Kommen.

Private Nutzer fahren im Schnitt nur 43 km pro Tag mit ihrem Elektroauto

Hohe Anschaffungskosten und mangelnde Reichweite – das sind die Hauptkritikpunkte am Elektroauto. Die Kleinwagen liegen in der Regel unter der 30.000 €-Grenze, die Kompaktwagen darüber. Hybridautos kommen auf ca. 80 km elektrische Reichweite, reine Elektroautos (unterhalb der Premiumklasse) auf ca. 250 km.

Woran liegt es, dass Autos mit elektrischem Antrieb nur eine begrenzte Reichweite haben?

Die Reichweite eines Elektroautos wird von der Kapazität des Akkus beeinflusst. Diese wird in der Maßeinheit Kilowatt beziehungsweise Kilowattstunde/kWh angegeben. Die meisten E-Autos haben Akku-Kapazitäten zwischen 20kWh und 60 kWh, beim Tesla sind es bis zu 100 kWh. Wie lange die Batterieladung reicht, hängt natürlich im konkreten Fall vom Fahrzeugmodell, Witterungs- und Streckenbedingungen, Beladung und Fahrweise ab. Meist liegt Stromverbrauch im Bereich von 12 bis 20 kWh auf 100 km.

Der aktuell gängige Standard bei Elektrofahrzeugen sind Lithium-Ionen-Akkus. Im Vergleich zu konventionellen Blei- und Nickel-Metallhydrid-Akkus bieten sie eine höhere Leistungs- und Energiedichte und können aus jedem Ladezustand nachgeladen werden. Denn anders als bei konventionellen Autos sollte man die Batterie von Elektroautos nie ganz leer fahren.

Für das Gewicht des Akkus ist die Energiedichte entscheidend. Sie bezeichnet die Energiemenge, die pro Kilogramm gespeichert werden kann. Je höher die Energiedichte, desto geringer das Gewicht der Batterie. Beispielsweise beträgt die Energiedichte bei bisherigen Lithium-Ionen-Akkus maximal 140 Wattstunden pro Kilogramm. Schon bei einer Fahrt von 100 km Entfernung muss also bereits relativ viel Gewicht transportiert werden.

Ein weiterer Nachteil ist der relativ hohe Preis der Batterien: Obwohl die Kosten in den letzten Jahren erheblich gesunken sind, kosteten sie die Hersteller im vergangenen Jahr Expertenschätzungen nach im Schnitt immer noch 190 € pro kWh. Selbst bei kleineren Fahrzeugmodellen mit 20 bis 30 kWh kostet allein die Batterie demnach um die 5.000 €.

Wie wird das Elektroauto geladen?

Beim Elektroantrieb stellt sich die Frage, wie das Auto aufgeladen wird. Schließlich tankt es Strom statt Benzin oder Diesel und benötigt daher meist eine spezielle Ladevorrichtung. Da die unterschiedlichen Hersteller beim Laden unterschiedliche Ansätze entwickelt haben, gibt es kein einheitliches Ladesystem:

  • Schuko-Ladestecker: Mit diesem Stecker kann das Auto an normalen 230-Volt-Haushaltssteckdosen geladen werden. Das Aufladen ist allerdings mit langen Ladezeiten verbunden. Wer sein Auto daheim schneller aufladen will, der kann sich von einem Fachbetrieb oder Stromversorger eine Wandladestation („Wall Box“) einbauen lassen.
  • Typ 2-Stecker: Dieser Stecker ist mittlerweile EU-Standard. Man benötigt für das Laden Wechselstrom.
  • CCS-Combo 2-Stecker: Für das Schnellladen mit Gleichstrom. Ein anderes in Europa verbreitetes Gleichstrom-Schnellladesysteme ist das von Tesla Motors betriebene Tesla Supercharger-System.

Aufbau eines flächendeckenden Ladesäulennetzes

Neben der, im Vergleich zu Diesel- und Benzinmotoren, geringeren Reichweite und den hohen Anschaffungskosten ist der wohl größte Kritikpunkt am Elektroauto derzeit auch das lückenhafte Netz an Ladesäulen. Nicht nur, dass es zu wenig davon gibt, diese sind auch nicht immer frei und rund um die Uhr zugänglich. So muss jede längere Autofahrt gut geplant werden – zumal, wenn sie in ländliche Regionen führt.

Damit sich das ändert, gibt es zahlreiche Initiativen aus Politik und Wirtschaft. Die Autobauer BMW, Daimler, VW mit Audi und Porsche sowie Ford planen den Bau und Betrieb gemeinsamer Ladestationen über ein neues Gemeinschaftsunternehmen. Tesla hat angekündigt, die Zahl seiner Supercharger-Schnellladeplätze bis Ende 2017 auf 10.000 weltweit zu verdoppeln. Und auch das Bundesverkehrsministerium beabsichtigt, bis zu 400 Schnellladestationen an Autobahn-Raststätten aufzustellen.

Um einen einheitlichen Standard bei der Steckerausstattung der Ladesäulen zu gewährleisten, ist 2016 die Ladesäulenverordnung LSV in Kraft getreten. Sie definiert einen Ladepunkt als „Ladeeinrichtung, die zum Aufladen von Elektromobilen geeignet und bestimmt ist (Normalladepunkt bis 22 kW, Schnellladepunkt >22 kW) und an der zur gleichen Zeit nur ein Elektromobil aufgeladen werden kann”. Mehrere Anschlüsse an einer Ladesäule sind somit als mehrere Ladepunkte definiert.

Für Elektroautos stehen in Deutschland rund 8.000 Ladestationen mit 24.000 Anschlüssen zur Verfügung. Wer nachschauen möchte, ob in seiner Region Ladepunkte zur Verfügung stehen, kann dieses bei der Bundesnetzagentur tun, welche die Daten zur öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur seit April 2017 kostenlos zur Verfügung stellt.

Laut einer Untersuchung des DLR Instituts für Verkehrsforschung von 2015 fahren die meisten Nutzer ein Leichtfahrzeug wie den Renault Twizy oder einen Kleinwagen für die Stadt wie den Smart fortwo. Das Reichweitenproblem spielt im Alltag dann offenbar doch keine große Rolle: Die Nutzer reiner Batteriefahrzeuge fahren im Durchschnitt nur 43 km (privat) bzw. 48 km (gewerblich) pro Tag. Für Urlaubsfahrten oder Wochenendausflüge nutzen sie einen anderen Pkw des Haushalts.

Eine Grafik mit Fahrwerten zu Elektroautos

Elektroautos schon jetzt alltagstauglich

  • Telematikdaten belegen: Vielzahl der Autos fahren Kurz- und Mittelstrecke
  • Nur 1% legt bei Tagesfahrten mehr als 250 km zurück
  • Knapp die Hälfte aller Elektroautos kämen ohne Nachladen durch den Tag

Eine Untersuchung der HUK-COBURG auf Basis von Telematikdaten aus 2018 zeigt: Knapp die Hälfte der Autos legte in einem Zeitraum von 8 Monaten an keinem Tag mehr als 250 km zurück. Diese Reichweite könnte auch heute schon im Elektroauto ohne Nachladen erreicht werden.

Das häufig ins Feld geführte Argument, Elektroautos seien wegen mangelnder Reichweite keine echte Alternative, sticht für viele Fahrten im Alltag nicht. Geht man von einer durchschnittlichen Reichweite der aktuell verfügbaren Elektroauto-Modelle von etwa 250 km aus, kämen 47% der Autos ohne Nachladen durch den Tag. Die verbleibenden 53% der Autos fuhren im Untersuchungszeitraum Januar bis August 2018 zwar an mindestens einem Tag weiter als 250 km, jedoch machten Fahrten mit dieser Tagesreichweite lediglich 1% aus.

„Für kurze und mittlere Strecken sehen wir ein großes Potenzial für E-Autos, da sich das Problem mangelnder Reichweite und Ladeinfrastruktur für viele Autofahrer nicht stellt. Denn die E-Autos können zu Hause geladen werden“, so Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURG. „Perspektivisch ergibt sich ein noch größeres Potenzial, wenn die Preise für Stromer sinken, die Reichweiten der Autos weiter steigen und die öffentliche Ladeinfrastruktur sich verbessert“, so Rheinländer weiter.

Elektromobilität hilft beim Klimaschutz

Bis 2050 will die Bundesregierung die Treibhausgasemissionen um 80% gegenüber 1990 senken. Zugleich soll der Primärenergieverbrauch bis 2050 um die Hälfte gegenüber 2008 sinken. Dazu soll der Energieverbrauch im Verkehrssektor bis 2050 um 40% gesenkt werden.

Daher also die gezielte Förderung der Elektromobilität. Elektrisch betriebene Fahrzeuge sind schadstoffarm, klimaschonend und hoch energieeffizient. Als Beispiel: Elektroautos können mehr als 90% der erzeugten Energie für den Antrieb nutzen, Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotor hingegen nur knapp 30%. Die Umwelt profitiert doppelt: Elektrofahrzeuge verbrauchen nicht nur weniger Energie, sie verursachen vor Ort keine Abgase. Und sie erzeugen kaum Lärm.

Im Idealfall können Sie Ihr Elektroauto zu Hause mit selbstproduziertem Solarstrom laden, verbessern damit Ihre Umweltbilanz weiter und sparen bares Geld.

Elektrofahrzeuge haben Sonderrechte

Mit dem Elektromobilitätsgesetz von 2015 hat die Bundesregierung elektrisch betriebenen Fahrzeugen Sonderrechte eingeräumt. Damit soll es den Kommunen ermöglicht werden, besondere Parkplätze an Ladestationen einzurichten, Parkgebühren zu reduzieren und bestimmte Lärm- und Abgasschutzvorschriften einzuschränken. In manchen Kommunen kann man kostenlos parken oder Busspuren nutzen. Um dies alles umsetzen zu können, erhalten Elektroautos bei der Zulassung besondere Kennzeichen.

Neue Elektroautos 10 Jahre von der Kfz-Steuer befreit

Soweit, so ökologisch sinnvoll – aber wo kommt jetzt der Geldbeutel ins Spiel? Bei den Betriebs- und Wartungskosten, der Kfz-Steuer und der Kfz-Versicherung.

  • Betriebskosten: Bei manchen E-Tankstellen ist der Strom ganz umsonst (RWE). Auch immer mehr Einzelhändler (z. B. Aldi) bieten mancherorts Strom-Tanken als kostenlosen Extra-Service an. Die Kosten pro Kilowattstunde Strom an öffentlichen Ladesäulen unterscheiden sich dabei stark. Sie sind abhängig von Ladedauer, Ladeleistung und Anbieter. Auf jeden Fall ist es aber deutlich günstiger als Diesel oder Benzin zu tanken.
  • Wartungskosten: Die kleine Inspektion beim Nissan Leaf kostet nach einem Jahr gute 80 €, die große nach zwei Jahren knapp 150 €. Bei einem vergleichbaren kompakten Dieselmodell sind die Kosten fast doppelt so hoch, weil zusätzliche Öl- und Filterwechsel anfallen.
  • Kfz-Steuer: Für bis zum 31.12.2020 zugelassene Elektrofahrzeuge gilt eine Befreiung von der Kfz-Steuer für 10 Jahre. Danach fallen sehr moderate Beiträge an. Aber Achtung: Hybridfahrzeuge gelten nicht als Elektrofahrzeuge im Sinne des Kraftfahrzeugsteuergesetzes und sind daher nicht steuerbegünstigt.
  • Kfz-Versicherung: Die Kosten der Kfz-Versicherung eines Elektroautos richten sich nach den Typklassen, dem Schadenfreiheitsrabatt, der Region, in der Sie wohnen (Regionalklassen) und weiteren Faktoren.
  • Kaufprämie: Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen bringen. Die Förderung für reine Elektro-Autos (4.000 €) bzw. Plug-In-Hybride (3.000 €) wird bis 2020 gewährt – oder bis die Gesamtsumme von 1,2 Mrd. € ausgeschöpft wurde. Welche Fahrzeuge zu den geförderten Modellen gehören hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) aufgelistet:
    Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge

Und zu guter Letzt: Denken Sie auch an die Komfortvorteile eines kleinen Stadtautos. Es lässt sich in der kleinsten Gasse noch wenden und findet überall einen Parkplatz. E-Mobilität schont nicht nur Umwelt und Geldbeutel – sondern auch das Nervenkostüm.

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