HUK-COBURG Mobilitätsstudie 2021

Mobilität heute und in der Zukunft: Das zählt für die Deutschen

Exakt 4.029 Personen ab 16 Jahren wurden im Februar 2021, also ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise, zu ihren Einstellungen und Verhaltensweisen beim Thema Mobilität befragt. Repräsentativ nach Alter und Geschlecht geschah dies zeitgleich in allen 16 Bundesländern. Und es sind erstaunlich eindeutige Meinungsbilder dabei herausgekommen.


Inhaltsverzeichnis


Wahl des Fortbewegungsmittels

„Nach welchen Aspekten wählen Sie heute Fortbewegungsmittel aus?“ Auf diese Frage haben die Deutschen in allen Altersgruppen und auch Frauen wie Männer eine klare Antwort: An erster Stelle bei der Auswahl eines Verkehrsmittels stehen möglichst niedrige Kosten, gefolgt von möglichst großer Schnelligkeit sowie möglichst hoher Flexibilität. Erst außerhalb dieser Top-3-Kriterien gibt es leichte Nuancen. 

Frage: Nach welchen Aspekten wählen Sie heute Fortbewegungsmittel aus?
Antwort: Maximal 4 Angaben, die den Befragten besonders wichtig sind.

Aspekte für die Auswahl der Fortbewegungsmittel

Überraschend abgeschlagen finden sich unter 12 möglichen Auswahlkriterien „eine möglichst niedrige Verkehrsdichte und geringe Stauwahrscheinlichkeit“ sowie „CO2-Neutralität“. Selbst in der jüngsten Altersgruppe der 16 bis 24-Jährigen schaffen es beide Auswahlkriterien nicht unter die Top-5 zu gelangen. Und in den Großstädten ab 500.000 Einwohnern liegen sie sogar auf den letzten beiden Plätzen.

Corona bringt große Veränderungen

Bei mehr als jedem vierten Befragten in Deutschland (27%) hat sich durch die Corona-Erfahrungen die Einstellung bei der Auswahl von Verkehrsmitteln verändert. In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg ist es sogar im Schnitt jeder Dritte. „Ich hätte vor der Corona-Erfahrung nicht erwartet, dass ein Auto für mich einen solchen Wert als Verkehrsmittel einmal haben könnte.“ Nirgends sagen das jetzt etwa so viele wie in Berlin. „Ich hatte vor der Corona-Zeit beabsichtigt, das Auto weniger zu nutzen, das mache ich jetzt aber nicht.“ Diese Aussage ist nun am häufigsten in Bremen zu hören gefolgt von Berlin.

Gleichzeitig trägt offenbar der Hygiene-Aspekt zu einer Renaissance des Autos bei. Für Frauen zählt etwa heute bei der Auswahl eines Verkehrsmittels eine gute Hygiene-Situation schon mehr als doppelt so viel wie die CO2-Neutralität der Fahrt.

Frage: Haben die Erfahrung der Corona-Zeit die Prioritäten in den eben von Ihnen ausgewählten Aspekten verändert?
Antwort: Ja.

Veränderungen durch Corona

Bezahlbare Mobilität für alle – so lautet die wichtigste Forderung

„Welche Ergebnisse sollten Ihrer Meinung nach Konzepte für die Mobilität in der Zukunft bringen?“ Auch auf diese Frage gibt es in der deutschen Bevölkerung eine erstaunlich klare Antwort: Fast jeder Zweite fordert „bezahlbare Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen“. Und ein Drittel verlangt „insgesamt sinkende Kosten.“ 

Tatsächlich sind die Kosten für Mobilität, von der Bahn über Kraftstoff bis hin zum öffentlichen Nahverkehr, in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen. Als marktführender Kfz-Versicherer beobachten wir das ebenfalls bei der Höhe von Kfz-Schadenkosten. Wenn jetzt, nach den Corona-Erfahrungen, die Menschen endlich sinkende Kosten für ihre Mobilität einfordern, muss sich das auch in Konzepten für die Zukunft widerspiegeln.

Dr. Jörg Rheinländer, Vorstand bei der HUK-COBURG

So belegt die bundesweite Studie, dass die Furcht vor steigenden Kosten inzwischen die mit Abstand größte Sorge hinsichtlich zukünftiger Mobilitätskonzepte ist. Fast jeder Zweite in Deutschland gibt das zu Protokoll. Deutlich weniger Nennungen bekommt die zweitgrößte Befürchtung, nämlich dass der Umweltschutz zu kurz kommen könnte.

Frage: Welche Ergebnisse sollte Ihrer Meinung nach ein Konzept für Mobilität in der Zukunft bringen? Gemeint ist ein Zeitraum etwa in den nächsten 5 Jahren?
Antwort: Maximal 4 Angaben der wichtigsten Ergebnisse/Ziele.

Ergebnisse von Mobilitätsstudie

Frage: Welche Befürchtungen haben Sie allgemein hinsichtlich der Entwicklung von Mobilitätskonzepten für die Zukunft?
Antwort: Maximal Angabe der 4 größten Befürchtungen.
 

Befürchtungen hinsichtlich Entwicklung von Mobilitätskonzepten

Das E-Auto wird zum Game-Changer in der Mobilitäts-Diskussion

Welches Fortbewegungsmittel erfüllt heute die Ansprüche der Deutschen in Summe am besten? Darauf gibt die HUK-COBURG Mobilitätsstudie eine klare Antwort: Drei Viertel aller Bundesbürger nennen das Auto oder ein E-Auto (73%). Und gefragt, was wohl in Zukunft ihr ideales Fortbewegungsmittel sein wird, nennt wieder ein ähnlich großer Anteil das Automobil (69%). Zum Vergleich: Die Bahn kommt aktuell und auch in Zukunft auf lediglich gut 16% Nennung unter allen Bundesbürgern, Busse auf gleichbleibend nur 10%. 

Auto als Fortbewegungsmittel am besten geeignet – sowohl derzeit als auch in Zukunft

Frage 1: Welche Fortbewegungsmittel erfüllen die von Ihnen genannten Auswahlkriterien in Summe (jetzt) am besten?
Frage 2: Und welche Fortbewegungsmittel werden Ihrer Meinung nach Ihre Auswahlkriterien in Zukunft (etwa in den nächsten 5 Jahren) in Summe am besten erfüllen?
Antwort: Maximal jeweils 3 Nennungen – Darstellung der meistbenannten Fortbewegungsarten.

Auto als Fortbewegungsmittel – derzeit und in Zukunft

Hinter diesen Zahlen steht eine rasante Hinwendung zum E-Auto. So kommt bereits heute laut HUK-COBURG Mobilitätsstudie für fast jeden sechsten Deutschen „grundsätzlich beim Autokauf nur noch ein E-Auto in Frage“. In den Stadtstaaten Hamburg und Berlin sagt das sogar schon jeder Fünfte. Kein anderes Fortbewegungsmittel macht insgesamt bei der künftigen Akzeptanz in der Gesamtbevölkerung auch nur annähernd einen solchen Satz nach vorn wie das E-Auto. 

Das Elektroauto kann damit zum Game-Changer in der Mobilitätsdiskussion werden. Denn es schafft die Verbindung zwischen der unverzichtbaren Rolle des Autos gerade außerhalb der Städte und mehr Umweltschutz. Bei Zukunftskonzepten für Mobilität sollte das stärker berücksichtigt werden.

Dr. Jörg Rheinländer, Vorstand bei der HUK-COBURG

Für jeden Sechsten kommt beim nächsten Kauf nur ein E-Auto in Frage, besonders in Metropolen

Frage: Stimmen Sie der folgenden Aussage zu?
„Grundsätzlich kommen für mich bei künftiger Anschaffung eines Autos nur noch Elektro-Autos in Frage.“

Anschaffung E-Auto

7 von 10 Personen in Deutschland geben in der HUK-COBURG Mobilitätsstudie zu Protokoll, dass ein Auto im Haushalt für sie aus beruflichen oder privaten Gründen „unverzichtbar ist“. In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sind es aber nur etwa die Hälfte. Hierin liegt ein Spannungsverhältnis, wie die Studie belegt. So sehen Befragte außerhalb von Großstädten ab 500.000 Einwohnern heute schon in einem E-Auto doppelt so häufig das für sie ideale Fortbewegungsmittel wie Befragte in den Großstädten. Und in ihren Augen kann sich die Position des E-Autos als ideales Verkehrsmittel in den nächsten 5 Jahren nochmals verdoppeln.

Fakt ist: Laut unserer Studie sieht schon jeder vierte Befragte in Deutschland als eine der größten Gefahren künftiger Mobilitätskonzepte eine „einseitige Forschung“ und „öffentliche Bevormundung“.

Das E-Auto ist gerade auf dem Land und bei jungen Leuten künftig besonders gefragt

Frage: Welche Fortbewegungsmittel werden Ihrer Meinung nach Ihre Auswahlkriterien in Zukunft (etwa in den nächsten 5 Jahren) in Summe am besten erfüllen? Auswahl von bis zu 3 Fortbewegungsmitteln.
Hier: Nennung des E-Autos.

Auswahlkriterien für Fortbewegungsmittel in Zukunft

Bremen hat aktuell die meisten Fahrrad-Fans – das Saarland steht ganz am Ende des Rankings

Bundesweit die meisten Fahrrad-Fans hat Bremen. Fast jeder Zweite ab 16 Jahren (45%) hält hier das Fahrrad für das ideale Fortbewegungsmittel. Erst mit deutlichem Abstand folgen auf Platz zwei die Niedersachsen (38%), knapp vor den Bewohnern von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 37%). Berlin (29%) steht lediglich im hinteren Teil des Bundesländer-Rankings, in dem das Saarland mit nur 19% das Schlusslicht bildet.

Frage: „Welche Fortbewegungsmittel erfüllen die von Ihnen genannten Auswahlkriterien in Summe am besten?“
Antwort: Fahrrad – als eines von bis zu drei aus einer Liste zu nennenden Fortbewegungsmitteln 

Fahrrad als Fortbewegungsmittel

Vor allem Bundesländer im Norden setzen auch in Zukunft auf das Fahrrad

Die Dominanz der Nord-Länder beim Thema Fahrrad setzt sich laut Umfrage demnach auch beim Blick in die Zukunft fort. So erwarten in den kommenden fünf Jahren ebenfalls die Bewohner der vier Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern am häufigsten, dass das Fahrrad für sie das ideale Fortbewegungsmittel bleibt. Schlusslicht in diesem Zukunfts-Ranking ist erneut das Saarland, diesmal allerdings zusammen mit dem Bundesland Hessen. 

Frage: „Und welche Fortbewegungsmittel werden Ihrer Meinung nach Ihre Auswahlkriterien in Zukunft (etwa in den nächsten 5 Jahren) in Summe am besten erfüllen?“
Antwort: Fahrrad – als eines von bis zu drei aus einer Liste zu nennenden Fortbewegungsmitteln

FAhrrad als Fortbewegungsmittel der Zukunft

Berliner und Hamburger mit geringstem Interesse an neuen Fahrradwegnetzen

Eine Überraschung ergibt sich allerdings auf die Frage, wie intensiv sich die Bewohner der verschiedenen Bundesländer den Auf- und Ausbau neuer Fahrradwegnetze wünschen. Dass Mecklenburg-Vorpommern hier mit 38% an der Spitze liegt, ist nicht so erstaunlich. Dagegen finden sich auf den Plätzen zwei und drei die Bundesländer Sachsen-Anhalt (34%) und Sachsen (33%). Erst dahinter folgen Bremen und Brandenburg (jeweils 31%).  Einige Auffälligkeiten in der Umfrage zeigen die beiden größten Städte Deutschlands, Berlin und Hamburg. Die Bewohner der Bundeshauptstadt liegen bei der Wertschätzung des Fahrrads als Verkehrsmittel heute und in Zukunft insgesamt unter dem Bundesdurchschnitt. Beim Wunsch nach dem Auf- und Ausbau von Fahrradwegnetzen stehen die Berliner sogar bundesweit an letzter Stelle - zusammen mit den Einwohnern Hamburgs. Und sogar den alleinigen letzten Platz in ganz Deutschland hat Berlin bei der Wertschätzung von E-Bikes als Verkehrsmittel der Zukunft. In der Hansestadt ist diese Einstellung ebenfalls unterdurchschnittlich.

Frage: „Was müsste in Ihren Augen als Erstes konkret getan werden beim Thema Mobilität der Zukunft? Gemeint ist ein Zeitraum etwa in den nächsten 5 Jahren.“
Antwort: Auf- und Ausbau von Fahrradwegnetzen – als eine von bis zu vier aus einer Liste zu nennenden wichtigsten Veränderungen

Handlungsfelder Mobilität der Zukunft

Öffnung der Mobilitätsdebatte wird gefordert

Ein Viertel der Bundesbürger sagt heute: „Ich empfinde eine Verteufelung des Autos, die meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt ist.“ Und eine deutliche Mehrheit glaubt, dass auch in Zukunft das Auto nicht seine bisherige Bedeutung verliert. Zudem moniert jeder fünfte Befragte, dass sich bisherige Mobilitätskonzepte für die Zukunft „zu einseitig nur auf Städte konzentrieren“. Sogar jeder Vierte befürchtet, „dass zu einseitig nur in vorgegebene Richtungen gearbeitet und geforscht wird“  und dass es „zu einer zu starken öffentlichen Bevormundung“ hierdurch kommt. „Die Studienergebnisse zeigen, dass die Debatten um die Zukunft der Mobilität und insbesondere des Autofahrens innovativer und mit weniger Scheuklappen geführt werden müssen“, resümiert Dr. Jörg Rheinländer. Beispielhaft steht dafür ein weiteres Studienergebnis: So lehnen es mehr Deutsche ab, sich in ein autonom fahrendes Auto zu setzen, als etwa in einen Hyperloop oder sogar in ein Flugtaxi.

Bei Mobilitätskonzepten ist Umdenken gefordert

Frage: Welche Befürchtungen haben Sie allgemein hinsichtlich der Entwicklung von Mobilitätskonzepten für die Zukunft?
Hier: Angabe von bis 4 der größten Befürchtungen (Abbildung der 10 häufigsten Nennungen).

Befürchtungen Mobilitätskonzept

Deutsche setzen weiter auf das Auto und viele monieren dessen Verteufelung

Frage: Wie beurteilen Sie die Rolle des Autos im Hinblick auf die Mobilitätskonzepte für die Zukunft?
Hier: Auswahl aller zutreffender Aussagen.

Rolle des Autos in der Zukunft

Die wichtigsten Ergebnisse haben wir in unserer Pressemitteilung zur HUK-COBURG Mobilitätsstudie 2021 veröffentlicht.

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