Künstliche Befruchtung

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt

Wie Paare noch zum Kind kommen können

Nicht immer lässt sich der Kinderwunsch auf natürlichem Wege erfüllen. Bleiben Paare für eine längere Zeit ungewollt kinderlos, wird die Situation oft sehr belastend. Eine Lösung kann die künstliche Befruchtung sein. Hierbei helfen Mediziner Spermien und Eizellen dabei, zueinanderzufinden und erfolgreich miteinander zu verschmelzen.

Je nach Ursache der Fruchtbarkeitsstörung stehen unterschiedliche assistierte Reproduktionstechniken (ART) zur Verfügung, um den Kinderwunsch doch noch in Erfüllung gehen zu lassen. Wir geben Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Methoden, ihre Risiken und Erfolgschancen sowie die Kosten.


Inhaltsverzeichnis


Künstliche Befruchtung: Methoden, Ablauf und Erfolgsaussichten kurz erklärt

Bleibt der Wunsch, schwanger zu werden längere Zeit unerfüllt, entscheiden sich immer mehr Paare für eine künstliche Befruchtung: Seit 2004 stieg die Zahl der In-vitro-Fertilisationen von 59.448 auf 96.124 in 2015, während sich die Zahl der Adoptionen im selben Zeitraum fast halbierte.

3 Methoden der Behandlung

Bei der assistierten Fortpflanzung haben sich 3 Behandlungen etabliert:

  1. Intrauterine Insemination (IUI): Samenübertragung in die Gebärmutter (Uterus)
  2. In-vitro-Fertilisation (IVF): Die „Befruchtung im Reagenzglas“
  3. Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Injektion des Spermiums in das Zytoplasma (Ooplasma) einer Eizelle

Welche Variante der Arzt in der Kinderwunschklinik wählt, hängt von der genauen Diagnose und den Gründen für die Unfruchtbarkeit ab. Sie werden durch entsprechende Untersuchungen abgeklärt.

Der Vorgang der künstlichen Befruchtung läuft zunächst bei allen Methoden ähnlich ab: Es müssen die Samenzellen des Mannes entnommen werden, durch Masturbation oder einen operativen Eingriff. Bei der Frau wird häufig eine hormonelle Stimulation angewandt, um für ausreichend reife Eizellen zu sorgen.

Der weitere Ablauf ist je nach Art der assistierten Fortpflanzung unterschiedlich: Die Spermien können direkt in die Gebärmutter (den Uterus) gegeben (IUI), in einem Reagenzglas mit den reifen Eizellen zusammengeführt (IVF) oder sogar direkt in die Eizellen injiziert werden (ICSI).

Bitte bewusst machen: Es gibt keine Garantie

Jede Methode bringt unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen mit sich. Bevor sich ein Paar für eine künstliche Befruchtung entscheidet, sollte es sich bewusst machen, dass auch eine assistierte Reproduktion niemals eine Garantie für eine erfolgreiche Schwangerschaft geben kann.

Positiv unterstützend ist es aber, bereits vor der künstlichen Befruchtung die Ernährung für eine Schwangerschaft umzustellen.

Intrauterine Insemination (IUI)

Eine intrauterine Insemination bietet sich bei Zyklusstörungen oder zu wenigen bzw. zu unbeweglichen Spermien an. Dabei kann tiefgefrorenes Sperma, aber auch durch Masturbation gewonnenes Sperma genutzt werden.

Zunächst werden die Samen im Labor aufbereitet, um die Erfolgschancen auf eine Befruchtung zu erhöhen. Anschließend werden die befruchtungsfähigen Spermien mit einer Spritze und einem dünnen Katheter direkt in die Gebärmutter (den Uterus) übertragen. Der perfekte Zeitpunkt der Implantation ist gleich nach dem Eisprung der Frau.

Zusätzlich kann eine Hormonbehandlung der Frau erfolgen. Vor allem bei Zyklusstörungen ist die Einnahme von Hormonen über Spritzen oder Tabletten empfehlenswert, um die Reifung der Eizellen anzuregen.

Sind die Spermien implantiert, können der Zustand der Gebärmutterschleimhaut und die Reifung der Follikel über Ultraschall kontrolliert werden. Die Hormonkonzentration wird über eine Blutabnahme überprüft.

Erfolgsraten der IUI:
Die Samenübertragung in die Gebärmutter ist eine relativ simple Art der künstlichen Befruchtung. In der Regel verläuft sie ohne Komplikationen und erfordert nur wenige Minuten.

Hat sich die Frau einer Hormonbehandlung unterzogen, liegen ihre Erfolgschancen bei 7 bis 15% pro Behandlungszyklus. Ärzte empfehlen maximal 6 Versuche. 

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Eine In-vitro-Fertilisation bietet sich an, wenn die Spermienqualität des Mannes so schwach ist, dass eine Samenübertragung (Insemination) bereits fehlgeschlagen ist. Ebenso sinnvoll ist diese Methode, wenn die Frau unter Endometriose oder einem Eileiterverschluss leidet oder Antikörper gegen die Spermien des Mannes gebildet hat.

Der Begriff „in vitro“ bedeutet „im Glas“ und bezieht sich auf organische Vorgänge außerhalb des Körpers: Die In-vitro-Fertilisation ist also die künstliche „Befruchtung im Reagenzglas“.

Bei der IVF werden die Eierstöcke der Frau immer mit Hormonen stimuliert, um mehrere Eizellen reifen zu lassen. Dies kann seelisch, aber auch körperlich belastend sein. Die Wirkung der Behandlung wird per Ultraschall kontrolliert. Sind genug Eizellen herangereift, kann der Eisprung mittels Medikamente ausgelöst werden.

Zwischen 5 und 10 Eizellen kann der Arzt über die Vagina entnehmen. Sie werden in ein Nährmedium gegeben und dort mit frischem Sperma zusammengeführt. Im Brutkasten haben Eizellen und Samen nun Zeit zum Verschmelzen. Am nächsten Tag prüft der Arzt das Ergebnis: Wurden Eizellen befruchtet, können ein bis 2 Tage später bis zu 2 der befruchteten Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt werden. Für eine leichtere Einnistung werden der Frau zusätzliche Hormone verabreicht.

Risiken und Erfolgschancen der IVF:
Aufgrund der Hormonbehandlung ist mit einer seelischen und körperlichen Belastung zu rechnen. Die Erfolgschancen, nach einer In-Vitro-Befruchtung schwanger zu werden, liegen bei etwa 30%. Aufgrund von Fehlgeburten im Laufe der Schwangerschaft liegt die Geburtenrate bei etwa 23%.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die intrazytoplasmatische Spermieninjektion ist das häufigste Verfahren der künstlichen Befruchtung. Sie findet meist Anwendung, wenn vorangegangene In-vitro-Fertilisations-Versuche erfolglos geblieben sind. Im Unterschied zur In-vitro-Fertilisation werden Ei- und Samenzelle bei der Befruchtung nicht sich selbst überlassen, sondern aktiv zusammengebracht. Die ICSI bietet sich besonders bei schlechter Spermienqualität an, da nur vergleichsweise wenig Material benötigt wird: Prinzipiell genügen für eine ICSI eine Ei- und eine Samenzelle. 

Die Samenzellen des Mannes werden entweder durch Masturbation oder eine operative Entnahme aus den Hoden oder Nebenhoden gewonnen. Bei der Frau ist eine Hormonbehandlung nötig, um reife Eizellen zu entwickeln. Diese werden ihr unter einer leichten Narkose über eine Punktion der Eierstöcke entnommen: Dabei wird eine Nadel mithilfe eines Ultraschallgeräts über die Scheide bis zum Eierstock geführt.

Mittels Mikroinjektion wird eine Samenzelle im Labor direkt in eine Eizelle übertragen. Nach 2 bis 4 Tagen im Brutkasten überprüft der Arzt, ob die künstliche Befruchtung erfolgreich war. Ist die Zellteilung im Gange, kann der Embryo über die Scheide in die Gebärmutter der Frau transferiert werden.

Es besteht die Möglichkeit, die befruchtete Eizelle erst nach 5 bis 6 Tagen einzusetzen. Durch den sogenannten Blastozystentransfer können fehlerhafte Entwicklungen frühzeitig festgestellt werden.

Bis zu 2 Embryos können auf einmal in die Gebärmutter eingesetzt werden. Nicht verwendete Eizellen lassen sich durch Kryokonservierung, das Einfrieren in flüssigem Stickstoff, für einen späteren Transfer aufbewahren.

Erfolgsraten der ICSI:
Die Erfolgsrate liegt bei circa 15 bis 20%. Hat sich die Eizelle erfolgreich eingenistet, wird ein normaler Schwangerschaftsverlauf erwartet.

Künstliche Befruchtung – Chancen und Risiken

Selbst bei einem jungen, gesunden Paar liegt die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Zyklus schwanger zu werden, altersabhängig „nur“ bei 23%, bei der Frau um 35 liegt sie noch bei 15%. Die Ursachen dafür sind vielfältig, denn viele Abläufe müssen perfekt zusammenspielen.

Die Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft kann durch eine künstliche Befruchtung gesteigert werden. Die Erfolgsaussichten variieren je nach Art der Kinderwunschbehandlung. Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, kann sich hierbei durch mehrere Behandlungszyklen erhöhen.

Risiken der künstlichen Befruchtung

Bei der künstlichen Befruchtung setzen Sie sich zunächst einmal den Risiken aus, die Sie bei einer normalen Schwangerschaft auch haben:

  • Etwa 8 bis 10% aller Schwangerschaften enden im Lauf der Zeit in einer Fehlgeburt.
  • Da Embryonen wandern können, kann es selbst bei einer In-vitro-Fertilisation zu einer Eileiterschwangerschaft kommen.

Darüber hinaus gilt es – wie bereits erwähnt – noch weitere Risiken und gesundheitlichen Belastungen zu beachten:

  • Werden mehrere befruchtete Eizellen eingesetzt, erhöht sich das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft.
  • Bei hormoneller Stimulation kann eine Überfunktion der Eierstöcke hervorgerufen werden, das sogenannte ovarielle Hyperstimulationssyndrom (OHSS).
  • Insbesondere bei der IVF bringen die notwendigen, oftmals lange andauernden Hormonbehandlungen mit starken Dosen bei der Frau oftmals Gemütsschwankungen mit sich, sie können zudem zu Gewichtszunahme und Entwicklung von Ödemen führen. 
  • Bei Eingriffen zur Entnahme von Eizellen und Spermien sowie beim Einsetzen der befruchteten Eizellen kann es zu Verletzungen kommen.
  • Nicht zuletzt entsteht durch die Behandlungen auch eine große emotionale Belastung für das Paar. Im Wechsel zwischen Hoffnung und Angst, dass es nicht klappt, können zum Beispiel vermehrt eheliche Konflikte auftreten.

Die Künstliche Befruchtung und ihre Kosten

Eine künstliche Befruchtung kann schnell teuer werden. Abhängig von der Art der Kinderwunschbehandlung und der eigenen Krankenversicherung, variieren die Kosten stark. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten der Förderung.

Wann zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt nur einen Teil der Kosten für eine künstliche Befruchtung – und zwar unter bestimmten Voraussetzungen:

  • Alter: Für Frauen gilt eine Altersgrenze von 40 Jahren, Männer dürfen maximal 50 Jahre alt sein.
  • Impfschutz: Die Frau benötigt Impfschutz vor Röteln und Windpocken. So wird das Baby in der Schwangerschaft vor den Folgen einer Infektion geschützt.
  • Familienstand: Das Paar muss miteinander verheiratet sein.
  • Begrenzte Versuche: Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse beschränken sich auf eine bestimmte Anzahl an Befruchtungszyklen. Bleiben diese erfolglos, werden keine weiteren Versuche übernommen.

Gibt es staatliche Unterstützung bei Kinderwunschbehandlungen?

Für den nach Abrechnung der Krankenversicherung verbleibenden Eigenanteil kann in manchen Bundesländern eine staatliche Unterstützung von Kinderwunschbehandlungen beantragt werden. Je nach Bundesland gibt es auch für diese Förderung unterschiedliche Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Dennoch lohnt sich der Antrag: Die Höhe des Zuschusses kann bis zu 25% des Eigenanteils ausmachen.

Kosten der künstlichen Befruchtung für Selbstzahler

Erfüllt man die Voraussetzungen der gesetzlichen Krankenkasse oder staatlichen Unterstützung nicht, kann man die Kinderwunschbehandlung selbst bezahlen. Zu den Behandlungskosten kommen dann gegebenenfalls noch die Kosten einer Hormonbehandlung.

Wichtig zu wissen: Bei der Kalkulation darf nicht vergessen werden, dass in der Regel mehrere Versuche notwendig sind, bis eine Schwangerschaft vorliegt.

Auf einen Blick: 3 Methoden der künstlichen Befruchtung

  Intrauterine Insemination (IUI) In-vitro-Fertilisation (IVF) Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
Art der Befruchtung Samen wird direkt in die Gebärmutter übertragen Ei- und Samenzelle müssen sich außerhalb des Körpers eigenständig verschmelzen Ei- und Samenzelle werden außerhalb des Körpers aktiv zusammengeführt
Hormonbehandlung optional ja ja
Erfolgsquote in %* 7-15 30 15-20
Kosten in € 600-800/Zyklus 2.800-3.000/Zyklus 4.500-5.500 
Kosten Hormonbehandlung in € 700-1.600/Zyklus 700-1.600/Zyklus 700-1.600/Zyklus

Künstliche Befruchtung: Vorteile der privaten Kranken­versicherung

Die private Krankenversicherung (PKV) übernimmt die vollen Kosten einer künstlichen Befruchtung und leistet nach dem Verursacherprinzip. Ist z. B. der Mann privat krankenversichert und unfruchtbar, übernimmt die PKV auch die Kosten für die Behandlung des gesunden Partners. Grundsätzlich gibt es keine Beschränkung auf eine bestimmte Anzahl Behandlungszyklen.

Noch Fragen?

Bei allen Fragen zu unseren Leistungen rund um die künstliche Befruchtung, die Mitversicherung der Schwangerschaft und alle Vorsorgeuntersuchungen sind wir gern für Sie da. Sie erreichen uns über Ihren persönlichen Vertrauensmann vor Ort oder jederzeit über unsere Servicehotline. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

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