Geld anlegen in Zeiten der Krise

Tipps für die Geldanlage in Krisenzeiten

Auswirkungen einer Wirtschaftskrise auf Geldanlagen

Wirtschaftskrisen haben weitreichende Folgen, die nicht nur Unternehmer und Arbeitnehmer betreffen. Lang anhaltende Krisen wirken sich auch auf Anleger aus. Geldanlagen und Investitionen in wirtschaftsabhängige Anlageformen sind besonders betroffen und ohne eine Absicherung kann es zu kurzfristigen Verlusten kommen. Ein Teil der Investments sollte rezessionssicher erfolgen, d. h. Sie investieren beispielsweise in Unternehmen, deren (Dienst-)Leistungen auch in Krisenzeiten gefragt bleiben werden, da diese als systemrelevant anzusehen sind.

So verteilen Sie das Risiko und verringern die Schwankungen bei der Wertentwicklung Ihrer Anlagen insgesamt. 

Insbesondere Aktienmärkte haben sich nach Krisen schnell wieder erholt. Geldanleger reagieren auf Krisen am besten mit Besonnenheit und trennen sich nicht sofort von allen Investments. In der Rückschau betrachtet haben sich die Wirtschaftskrisen der Vergangenheit zwar mit einer unterschiedlichen Dynamik entwickelt, aber insgesamt nur zu geringen oder gar keinen Verlusten von langfristig orientierten Anlegern geführt.

Wir informieren Sie in diesem Ratgeber, welche Anlageformen weitgehend krisensicher sind und beantworten die Frage, wie Sie Ihr Portfolio am besten aufstellen, um für Krisenzeiten gewappnet zu sein.


Inhaltsverzeichnis


Was passiert mit Geldanlagen in einer Wirtschaftskrise?

Bei einer Wirtschaftskrise leiden als erstes die Unternehmen unter dem Einbruch der Wirtschaft und den daraus resultierenden geringeren Verkäufen. Die Wirtschaftskraft von Ländern und privaten Haushalten sinkt und die Unternehmen setzen weniger Produkte ab. Das führt bei börsennotierten Unternehmen meist zu einem Einbruch der Aktienkurse. Vor allem professionelle Anleger sichern ihre Investitionen mit sogenannten Stop-Loss-Limits ab. Wenn der Kurs unter einen bestimmten Wert fällt, löst das System automatisch einen Verkauf des Wertpapiers aus. Das führt zu weiteren Verkäufen und einem schnelleren Kursverfall, der nicht unbedingt auf realen wirtschaftlichen Daten basiert, sondern rein technisch bedingt ist. 

Die größeren Krisen der letzten Jahre waren die DotCom-Blase im Jahr 2000, die durch den 11. September 2001 verlängert wurde, die Finanzkrise 2007, die Eurokrise 2010 und die Corona Krise ab März 2020. Die DotCom-Blase betraf zunächst nur Unternehmen, die im Technologie-Bereich tätig waren, bevor die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft übergriffen. Die Finanzkrise wurde durch Zahlungsschwierigkeiten bei Immobilienkrediten vor allem in den USA ausgelöst und betraf zunächst Banken und Eigentümer von Immobilien. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie trafen viele Unternehmen gleichermaßen, während einige wenige stark von den Einschränkungen des öffentlichen Lebens profitieren konnten. 

Die Aktienmärkte haben sich nach den Krisen wieder erholt, allerdings in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Nach dem Ende der Dotcom-Blase und dem 11. September hat es knapp 3 Jahre gedauert, bis die Talsohle erreicht war und erst nach weiteren 4 Jahren konnten die Indizes wieder die Vorkrisenstände erreichen. In der letzten Finanzkrise erreichten die Börsen den Tiefststand nach 18 Monaten. 2013 wurden die alten Höchststände erreicht. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch über ein Jahr später nicht an den Börsen angekommen. Nach einem kurzfristigen Einbruch im März 2020 erholten sich die Aktienkurse sehr schnell und stehen im März 2021 auf Allzeithochs. 

Verluste an den Börsen entstehen bei Krisen nur, wenn Wertpapiere in der Krise verkauft werden. Vorher erleiden Anleger lediglich Buchverluste. Die für mehr Geld gekaufte Anlage ist zu diesem Zeitpunkt weniger wert, ein tatsächlicher Verlust ist noch nicht entstanden. Daher lohnt sich eine besonnene Vorgehensweise, Panikverkäufe sind nie sinnvoll. 

Wer sich regelmäßig mit seinen Investments beschäftigen will, sollte auf den Investmentansatz des Market-Timings verzichten. Dabei versuchen Investoren, Aktien bei fallenden Kursen zunächst zu verkaufen und dann beim Erreichen des Tiefststands wieder zu erwerben. Der richtige Zeitpunkt ist für Laien nur schwer zu treffen. Sitzen Sie zwischenzeitliche Verluste, die nur auf dem Papier bestehen, im Zweifelsfall lieber aus. Gerade bei langfristig angelegten Sparplänen, bei denen Sie in Aktienfonds oder ETFs investieren, lohnt sich ein Ausstieg nur sehr selten. Bei monatlichen Einzahlungen in den Sparplan erwerben Sie bei fallenden Kursen mehr Anteile und profitieren damit überdurchschnittlich von einem Anstieg der Kurse.

Zusätzliche Spareinlagen auf Festgeld- oder Tageskonten können helfen, Ihr Portfolio zu stabilisieren. Dasselbe gilt auch für Goldanlagen. Diese werfen keine Zinsen ab, physisches Gold ist bei Krisen aber häufig gefragt. Versicherungspolicen wie unsere Premium Rente oder Riester Rente arbeiten mit einer Beitragsgarantie. Unsere Produkte bieten eine Kombination aus klassischer und fondsgebundener privater Altersvorsorge. Sie verlieren also niemals Ihr Geld, wenn Sie sich z. B. für eine sicherheitsorientierte Investition mit einer überwiegenden Anlage im Garantieguthaben entscheiden. Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen ohne Beitragsgarantie kann es während der Laufzeit durchaus zu Schwankungen kommen, allerdings gilt für diese dieselbe Verhaltensregel wie bei direkten Investments in Wertpapiere und Aktienfonds: Die Verluste können ausgesessen werden, langfristig winkt dennoch eine gute Rendite.

Welche Auswirkungen hatte die Finanzkrise 2007?

Die Finanzkrise begann 2007 und erreichte den Höhepunkt 2008 mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Bank Lehman Brothers im September. Die Zahlungsunfähigkeit der Bank resultierte aus dem Geschäft mit Immobilienkrediten, die vor allem in den USA an Personen mit einer schlechten Bonität und nur wenig Sicherheiten vergeben wurden. Durch einen Anstieg des Zinsniveaus konnten sich viele Eigentümer die Zahlungen an die Banken nicht mehr leisten und viele Kredite platzten. Die Immobilien wurden zwangsversteigert, meistens deutlich unter Wert. Die Kreditinstitute mussten Kredite in Milliardenhöhe abschreiben. Da die Banken untereinander mit den Krediten handelten und sie z. B. auch an Versicherer und andere Finanzunternehmen verkauften, kam es zu einer Kettenreaktion. 

Viele Banken und Versicherer mussten mit staatlichen Hilfsprogrammen gerettet werden, einige Banken wurden ganz abgewickelt. In Deutschland war insbesondere die Commerzbank betroffen. Das Institut ist auch im März 2021 noch zum Teil verstaatlicht, die Bundesrepublik gehört zu den größten Anteilseignern. Durch die Finanzkrise entstand eine weltweite Rezession und niedrige Zinssätze führten zu einem Verlust an Realvermögen, da die Inflation gleichzeitig anstieg. Die Aktienmärkte waren durch einen hohen Zufluss an Liquidität überhitzt und die Bildung von weiteren Investitionsblasen und deren Platzen drohte.

Welche Auswirkungen hat beziehungsweise hatte die Coronakrise auf Geldanlagen?

Erwartet wurde der größte Wirtschaftseinbruch seit der Weltwirtschaftskrise in den 90er-Jahren, der aber in dieser Intensität nicht eingetreten ist. Die Wirtschaft wurde zwar beeinträchtigt, aber lange nicht so stark, wie zunächst erwartet wurde. Der DAX verlor in den ersten Wochen nach Bekanntwerden der Corona-Pandemie fast 40%, erholte sich aber ebenso schnell wieder. Durch Lockdowns und dem Wiederaufflammen der Infektionen in vielen Weltregionen wird es langfristig aber trotz umfangreicher Rettungspakete in Billionenhöhe zu einer Rezession kommen. Bestimmte Wirtschaftsbereiche wie Tourismus und Gastronomie sind besonders betroffen, die Arbeitslosenzahlen sind in vielen Ländern bereits gestiegen. Der Welthandel ist durch die Grenzschließungen zumindest temporär beeinträchtigt und nicht wenige Unternehmen werden Investitionen und Neueinstellungen zumindest verschieben.

Die Zinsen werden durch die steigenden staatlichen Ausgaben und die Förderung durch die Notenbanken noch für längere Zeit niedrig bleiben, Tages- und Festgelder werden daher nicht attraktiver werden. Wertpapiere bleiben weiterhin die beste Wahl. In verschiedenen Branchen profitiert man auch von der Pandemie, so boomen beispielsweise Versanddienstleister und Medizinprodukthersteller.

Grundsätzlich scheint auch eine Deflation möglich zu sein, bislang steigen die Preise in 2021 allerdings. Für die steigende Inflation ist ein Basiseffekt verantwortlich, der auf die coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuer vor einem Jahr und die damit einhergehenden sinkenden Preisen bei vielen Gütern zurückzuführen ist. Ein weiterer Treiber sind die höheren Preise für Energie. Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben die Energiepreise im Mai 2021 um 10% zugelegt. Zurückzuführen ist der Anstieg auf höhere Rohölkosten sowie die Einführung der CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe. Auch Transportkosten, beispielsweise für Transporte von Industrie- und Konsumgütern auf dem Seeweg, sind deutlich gestiegen. Bedingt durch Corona ist die Nachfrage für die begrenzte Anzahl der Frachtschiffe schlicht zu hoch. Mittlerweile gibt es Lieferengpässe bei der Seefracht.

Edelmetalle waren auch während der ersten Pandemiephase gefragt. In dieser unsicheren Lage haben viele Anleger auf Gold gesetzt, das in Krisenzeiten als „sicherer Hafen” gilt. Der Goldpreis stieg auf einen neuen Rekordstand

Rohstoffe wie Rohöl sanken hingegen stark im Wert. Wenn Sie in Rohstoffe investieren, achten Sie vor allem auf eine möglichst geringe Abhängigkeit von der Wirtschaftslage. 

Kryptowährungen haben im Verlauf der Krise zugelegt und Anfang 2021 Höchststände erreicht. Allerdings schwanken sie nach wie vor sehr stark.

Einige Aktienfonds sind bisher besser durch die Krise gekommen als andere, die Ergebnisse unter dem Wert der Vergleichsindizes erzielt haben. Nachhaltige Kapitalanlagen haben sich in der Rückschau als stabiler erwiesen, reguläre Indizes wie der MSCI World haben kurzfristig höhere Verluste erlitten. 

Selbstgenutzte Immobilien sind eine gute Anlage für das Alter, aber nicht unbedingt renditeträchtig. Die Wertentwicklung ist stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängig, bei Krisen kann der Wert der Immobilie auch fallen. In der Coronakrise gab es bisher eher einen Anstieg der Immobilienpreise. Immobilienfonds sind mit Vorsicht zu betrachten und zur Altersvorsorge eher nicht empfehlenswert. Die derzeitige Orientierung in Richtung Homeoffice kann zu sinkenden Mieten und einer geringeren Auslastung von gewerblich genutzten Gebäuden führen. Einzelne Objekte, die Sie direkt erwerben, sind nicht so risikobehaftet, allerdings kann es in Ballungsräumen durch gesetzliche Einschränkungen wie einem Mietpreisdeckel oder Bestandsschutzregelungen zu sinkenden Renditen und einer geringeren Planungssicherheit kommen.

Wie kann ich mich vor Verlusten bei einer Wirtschaftskrise schützen?

Streuen Sie Ihre Anlagen und verteilen Sie sie auf verschiedene Anlageklassen, die nicht zu stark miteinander korrelieren. Das bedeutet, dass Sie nicht nur auf Investments setzen, die stark von der Wirtschaft abhängig sind. Verteilen Sie auch innerhalb der Anlageklasse das Risiko. Statt der Aktie eines einzelnen Unternehmens zu vertrauen, investieren Sie besser in einen Aktienfonds oder einen ETF, der eine Vielzahl an verschiedenen Unternehmen berücksichtigt. Sollte eins der Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, ist Ihr Kapital nicht vollständig verloren. 

Edelmetalle und Rohstoffe haben bisher bei den meisten Krisen ihren Wert gesteigert, sodass sie sich zu Absicherung von potenziellen Verlusten eignen können. Wer in physische Rohstoffe und Edelmetalle investiert, kann diese sogar zu Hause lagern. Zinsen werfen Rohstoffe aber nicht ab, wenn ihr Wiederverkaufswert nicht steigt, bleibt unter Berücksichtigung der Inflation ein Realverlust. 

Verfallen Sie auch bei heftigen Ausschlägen nach unten nicht in Panik. Die Wertpapiermärkte haben sich nach Krisen immer wieder erholt, nur die Dauer der Erholung hat sich bisher unterschieden. Wenn Sie können: Sitzen Sie die Krise aus. Besonders risikobereite Anleger investieren gerade in der Krise und profitieren bei einem Anstieg dann besonders deutlich.

Krisensichere Geldanlagen

Welche Faktoren bestimmen die Sicherheit von Geldanlagen in einer Wirtschaftskrise?

Die Investition in Tagesgelder, Festgelder und Sparkonten ist innerhalb der europäischen Union im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung bis mindestens 100.000 € abgesichert. Dennoch ist die Sicherheit der Anlagen unterschiedlich zu bewerten. Eine Anlage bei einem deutschen Bankinstitut ist sicherer zu bewerten als eine Anlage bei manch anderer europäischen Bank. Das hat vor allem mit der Landesbonität zu tun. Sollte die Bank in finanzielle Schwierigkeiten geraten, muss sie die Kundengelder zunächst aus dem Eigenkapital bedienen. Sollte das nicht ausreichen, kommt der Sicherungsfonds aller Banken in dem betreffenden Land für weitere Kundengelder auf. Sollte auch das nicht reichen, ist in letzter Instanz der Staat gefordert. Hat dieser aber nicht ausreichend Geld, kann Ihr Kapital trotz Einlagensicherung verloren gehen. 

Investieren Sie in Rohstoffe oder Immobilien, erhalten Sie einen physischen Gegenwert für Ihr Kapital und haben so eine gewisse Sicherheit. Auch Immobilien- und Rohstoffpreise können sinken, sie werden aber immer einen gewissen Wiederverkaufswert behalten.

Relativ sicher sind auch Geldanlagen in wirtschaftsunabhängige Unternehmen. Selbst in heftigen Wirtschaftskrisen sind Nahrungsmittelhersteller nur wenig betroffen, weil sie notwendige Güter herstellen. Achten Sie dann aber zusätzlich auf die Größe des Unternehmens und das Herkunftsland. Im besten Fall investieren Sie nicht in einzelne Unternehmen, sondern in einen Fond, der Aktien von Konsumgüterherstellern enthält.

Welche Geldanlagen gelten als krisensicher?

Edelmetalle wie Gold werden durch die begrenzte Verfügbarkeit der Rohstoffe immer einen gewissen Wert haben und niemals einen Totalausfall erleiden. Bei Verwerfungen auf den Finanzmärkten ist Gold häufig als „sicherer Hafen“ gefragt und der Goldpreis steigt entsprechend. Eine garantierte Wertsteigerung gibt es aber nicht. Auch Immobilien gelten als grundsätzlich krisensicher. Das gilt aber nicht für alle Investments, die mit Gebäuden zu tun haben. Immobilienfonds, die einfach gehandelt werden können, enthalten zum Teil auch sehr geringwertige Immobilien, die sich nur schwer vermieten lassen. Zudem können bei Wirtschaftskrisen gewerbliche genutzte Immobilien leer stehen oder Mietausfälle verzeichnen. 

Versicherungspolicen zahlen zum Ende der Laufzeit mindestens den Betrag, der zu Beginn vereinbart wurde, aus. Hier lohnt sich ebenfalls ein Abwarten. Einschränkungen kann es nur bei reinen fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen geben, wenn keine Beitragsgarantie vereinbart wurde, hier kann der Wert für eine gewisse Zeit unter der Summe der Einzahlungen liegen. Langfristig gilt aber auch bei diesen dasselbe wie bei Aktienanlagen: Die Werte werden sich erholen.

Tagesgeld- und Festgeldkonten sind extrem sichere Anlagen. Sie sind durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt und weisen eine hohe Liquidität auf. Die Rendite fällt dafür aber verschwindend gering aus. Bei steigenden Zinsen gewinnen diese Anlageformen wieder an Attraktivität. 

Wie lege ich mein Geld am sichersten an?

Risikostreuung ist das wichtigste Kriterium für eine sichere Geldanlage. Verteilen Sie Ihr Kapital auf Aktien, Festgelder, Immobilien, Sparpläne und Edelmetalle. Achten Sie dabei auch auf wirtschaftsunabhängige Investments und schützen sich so vor heftigen Verlusten.

Was ist eine Inflation?

Bei einer Inflation ändert sich die Kaufkraft des Geldes: Sie sinkt. Geld verliert real an Wert, weil Waren und Dienstleistungen teurer werden. Bei einer angenommenen Inflation von 5% pro Jahr sind 100 € im zweiten Jahr real nur noch 95 € wert. Die Geldmenge eines Landes wächst schneller als Güter und Dienstleistungen, sodass mehr Geld ausgegeben werden muss, um dieselben Güter zu kaufen. 

Die Inflationsrate wird mit einem klar definierten Warenkorb ermittelt, in dem neben Gütern des täglichen Bedarfs auch Kosten für Wohnungen, Heizen, Bekleidung und Dienstleistungen berücksichtigt sind. Sie sollen die Nachfrage einer Volkswirtschaft repräsentativ abbilden. Experten unterscheiden noch zwischen Angebots- und Nachfrageinflation. Bei einer Nachfrageinflation sind nicht genügend Güter auf dem Markt erhältlich und der Preis steigt dadurch. Bei einer Angebotsinflation sorgen Kostensteigerungen auf Produktionsseite für einen höheren Endpreis. In beiden Fällen verliert das Geld an Kaufkraft.

Eine gewisse Inflation ist wünschenswert, denn nur bei einer erwarteten Teuerung der Waren wird der Konsum angekurbelt. Bei sinkenden Preisen kann es zu einer Deflation kommen, bei der die Preise sinken und dennoch auf Konsum verzichtet wird, weil weiter sinkende Preise erwartet werden. Eine zu hohe Inflation (Hyperinflation) ist ebenfalls schädlich für die Wirtschaft, weil die Währung ihren Wert als Zahlungsmittel und die ihre Funktion als Wertmaßstab und Wertaufbewahrung verliert. 

Wirtschaftswissenschaftler unterscheiden zwischen 4 verschiedenen Inflationsgeschwindigkeiten:

  • Schleichende Inflation: geringe Preissteigerung bis circa 2%, politisch gewünschtes Ziel.
  • Trabende Inflation: mittlere Preissteigerung von 2% bis 10%.
  • Galoppierende Inflation: sehr starke Preissteigerung von 10% bis 50%.
  • Hyperinflation: extrem hohe Preissteigerung mit Raten von mehr als 50 %.

In Europa ist eine Inflation von circa 2% gewünscht. Dieses Ziel versucht die europäische Zentralbank durch verschiedene Maßnahmen zu erreichen. Im Februar 2021 liegt die Inflationsrate noch bei 1,3%, im Juli bereits bei 3,8%. Zum Vergleich: Zwischen 2000 und 2019 lag die Rate zwischen 0,3% und 2,6%. 

Ob die derzeit höheren Preissteigerungsraten dauerhaft sind oder nur ein Inflationsbuckel, werden wir wohl erst in ein oder zwei Jahren sehen. 

Dr. Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV)

Die europäische Zentralbank kann mit mehreren Instrumenten in den Markt eingreifen, um die Inflation in die gewünschte Richtung zu steuern. Sie kann die Leitzinsen senken, um die Geldmenge auf dem Markt zu erhöhen und die Vergabe von Krediten besonders attraktiv zu machen. Durch die steigende Geldmenge soll die Inflationsrate steigen. Bei einer zu hohen Inflation erhöht die EZB die Leitzinsen und macht die Anlage von Kapital renditeträchtiger. So wird dem Markt Geld entzogen, die Kaufkraft steigt und die Inflationsrate sinkt. Fraglich ist, ob die herkömmlichen Inflationsmodelle, die Geldmenge oder Auslastungsgrad als Haupterklärungsfaktoren für Preissteigerungen heranziehen , auch in Post-Corona-Zeiten Bestand haben werden. 

Zusätzlich können einzelne Länder Maßnahmen ergreifen, um die Inflation zu beeinflussen. Zu den wichtigsten Instrumenten gehören Steuern und staatliche Investitionen. Erfahren Sie in unserem Ratgeber alles Wissenswerte darüber, wie Kapitalerträgen besteuert werden.

Welche Auswirkung hat eine Inflation auf Geldanlagen?

Eine anhaltende Inflation führt meist zu einer Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Diese wollen damit den Konsum stimulieren und das Anlageverhalten der Anleger verändern. Eine Geldanlage ist wichtig, um Inflation und Realzins zu schlagen. Während einer Inflation verliert Geld real an Wert. Bei 2% Inflationsrate sind 100 € nach einem Jahr nur noch 98 € wert. Liegen diese 100 € also auf einem unverzinsten Sparbuch oder Girokonto, haben Sie real 2 € Verlust gemacht, obwohl Sie noch immer 100 € auf dem Konto haben.

Modellrechnung: Entwicklung der Kaufkraft bei anhaltender Inflation (Inflationsrate 2 %)

Jahr Kaufkraft Jahresbeginn Inflationsrate Kaufkraft Jahresende
2021 100,00 € 2,0% 98,00 €
2022 98,00 € 2,0% 96,04 €
2023 96,04 € 2,0% 94,12 €
2024 94,12 € 2,0% 92,24 €
2025 92,24 € 2,0% 90,39 €

Selbst bei einer verzinsten Anlage können Sie in die sogenannte „Realzinsfalle” laufen, wenn Sie Ihr Geld zu einem Zinssatz unterhalb der Inflation anlegen. Wenn Sie 1.000 € zu 0,5% Zinsen für ein Jahr fest anlegen und die Inflationsrate bei 2,0% liegt, haben Sie am Ende des Jahres 1,5% Wertverlust erlitten. Für die angelegten 1.000 € können Sie dann noch Waren im Wert von 985 € kaufen. Ohne die Anlage hätte der Verlust allerdings bei 2,0%, also 20 € gelegen. Insofern ist selbst eine Anlage mit einem geringen Zinssatz immer noch besser, als das Geld gar nicht anzulegen. 

Der Wertverlust durch Inflation trifft vor allem Geldanlagen mit festgelegtem Zinssatz wie Sparkonten, kapitalbildende Versicherungspolicen und Renten. Bei Versicherungspolicen profitieren Anleger aber auch bei einem festen Zinssatz immer von der vorgeschriebenen Überschussbeteiligung und die tatsächliche Verzinsung des Guthabens kann deswegen höher ausfallen. Reale Werte wie Immobilien, Aktien und Rohstoffe gewinnen während einer Inflation an Wert. 

Für Schulden ist eine Inflation von Vorteil. Durch die Geldentwertung verringert sich die reale Schuldenlast.

Wie soll ich mein Geld während einer Inflation anlegen?

Während einer Inflationsphase investieren Sie vor allem in Sachwerte, die durch die Inflation an Wert gewinnen. Dazu gehören Aktienfonds, ETFs, Immobilien und Rohstoffe. Achten Sie dennoch auf eine Balance aus Sicherheit und Rendite und verzichten Sie auf hochspekulative Anlagen. Mit der Anlage in Fonds und ETFs profitieren Sie in der Regel von einer Rendite oberhalb der Inflationsrate, weil Sie mit diesen in Sachwerte investieren. Eine breite Streuung vermindert Risiken. 

Auch Immobilien eignen sich zur Anlage während einer Inflation. Sie erzielen Mieteinnahmen und potenziell auch Wertsteigerungen durch die Inflation. Bei kreditfinanzierten Immobilien sinkt zudem der reale Wert der Schulden. Rohstoffe können eine weitere Option zur Anlage sein, sollten aber allenfalls zu einem geringen Prozentsatz der Gesamtanlagestrategie beigefügt werden.

Was ist eine Deflation?

Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Die Preise von Gütern sinken und die Kaufkraft des Geldes steigt. Deflation wird durch eine fallende Nachfrage verursacht. Durch diese machen Unternehmen geringere Umsätze und investieren weniger. Käufer gehen davon aus, dass die Preise noch weiter sinken und halten sich weiter zurück, wodurch die Unternehmen noch weniger Umsatz machen. Daraus folgen im schlimmsten Fall Entlassungen und eine steigende Arbeitslosigkeit. Neben einer fallenden Nachfrage können auch Überproduktionen oder sinkende Exporte zur Deflation führen. Die Geldmenge wächst bei der Deflation langsamer als die Zahl der Güter und Dienstleistungen. 

Die Europäische Zentralbank versucht mit verschiedenen finanzpolitischen Investitionen eine Deflation zu verhindern. Durch eine Senkung der Leitzinsen wird sie versuchen, die Geldmenge auf dem Markt zu erhöhen und die Vergabe von Krediten zu beschleunigen. Die einzelnen Staaten können ihre Steuern senken, um den Geldwert zu mindern und die Deflation zu verhindern. Zudem investieren sie während einer Deflation verstärkt, um den Rückgang der privaten Nachfrage auszugleichen.

Welche Auswirkung hat eine Deflation auf Geldanlagen?

Bei einer drohenden Deflation werden die Zentralbanken der betroffenen Länder zunächst die Leitzinsen senken, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Daraus folgt, dass die Zinssätze für Tages- und Festgeldkonten etwas zeitverzögert sinken werden. Bei Wertpapieren ist die Entwicklung von der gesamtwirtschaftlichen Lage abhängig. Multinationale Konzerne, bei denen nur ein kleinerer Teil des Absatzmarktes betroffen ist, werden die Auswirkungen der Deflation kaum spüren. Dementsprechend gering fallen eventuelle Verluste aus. Bei Immobilien und Rohstoffen ist die Deflation eher zu spüren, durch die Erhöhung des Geldwertes sinken die tatsächlichen Preise. Gerade für Investoren, die Immobilien durch Kredite finanziert haben, ist diese Entwicklung bedenklich, da der Realwert der Schulden steigt. 

Welche sinnvollen Möglichkeiten bieten sich, um in einer Deflation Geld anzulegen?

Achten Sie bei der Geldanlage während einer Deflation auf eine große Risikostreuung. Investieren Sie nach Möglichkeit in Wertpapiere und andere Anlagen in Ländern, die nicht so stark oder gar nicht von der Deflation betroffen sind. So vermindern Sie den Einfluss der Geldaufwertung auf Ihr Anlageportfolio.

Was ist eine Rezession?

Die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession, wenn 2 aufeinanderfolgende Quartale ein negatives BIP-Wachstum aufweisen. Eine Rezession kann mit einer Deflation oder einer Inflation kombiniert sein, sie kann aber auch bei stabilen Preisen auftreten. Das Wirtschaftswachstum ist insgesamt rückläufig und sowohl Unternehmen als auch private Haushalte halten sich mit zusätzlichen Ausgaben zurück. Der Staat und die Zentralbanken reagieren auf eine Rezession mit einer Senkung der Leitzinsen und einer Zunahme der staatlichen Investitionen, um den Wegfall der privaten Nachfrage auszugleichen. Mit der Zinssenkung soll zusätzliches Geld in den Markt gelangen und dadurch die Nachfrage befeuern. 

Welche Auswirkung hat eine Rezession auf Geldanlagen?

Bei einem Rückgang der Wirtschaft verlieren vor allem Wertpapiere von Unternehmen, die nicht lebensnotwendige Güter herstellen. Wertpapiere von Nahrungsmittelherstellern, Versicherern und Medizinherstellern sind in der Regel nicht heftig von einer Rezession betroffen, da die Umsätze nur in einem geringeren Umfang zurückgehen und die Produkte dennoch weiter gekauft werden. Immobilien, Rohstoffe und Edelmetalle verlieren ebenfalls an Wert, wenn die Nachfrage geringer wird.

Geldanlagen auf Tages- oder Festgeldkonten sind nicht unmittelbar von einer Rezession betroffen. Senkt die Zentralbank allerdings die Leitzinsen, werden die Banken die Senkung auch weitergeben und die Rendite der Konten sinkt. 

Welches sind die sinnvollsten Möglichkeiten, um in einer Rezession Geld anzulegen?

Wie bei jeder Krise hilft eine möglichst breite Streuung der Anlagen, um die Verluste gering zu halten. Schon bei der Erwartung einer Rezession kann es sinnvoll sein, einige Anlagen in defensivere Formen umzuschichten und z. B. auf festverzinsliche Staatsanleihen, statt auf Wertpapiere zu setzen. Schichten Sie aber nicht alles um, da jede Veränderung zum einen auch Gebühren kostet und zum anderen die Chance auf eine überdurchschnittliche Erholung verringert. 

Sparpläne in Wertpapierdepots können Sie weiterlaufen lassen. Bei fallenden Kursen kaufen Sie mehr Anteile, und bei einer späteren Erholung profitieren Sie überdurchschnittlich, weil Sie einige Anteile sehr günstig einkaufen konnten. In der historischen Betrachtung konnten sich Wertpapiere bisher immer von sämtlichen Verlusten erholen und im späteren Verlauf deutlich höhere Werte erreichen. Teilweise dauert es aber etwas länger, bis die Verluste komplett aufgeholt wurden. 

Auch die Anlage in zukunftssichere Unternehmen kann in einer Rezession eine Option sein. Diese Unternehmen werden nach ESG-Kriterien betrachtet (englisch für: enviromental, social and corporate governance). Betriebe, die ökologisch nachhaltig und sozial verantwortlich arbeiten, werden zunehmend als rezessionssicher erkannt. 

Gerade bei heftigen Einbrüchen lohnt es sich, Geld auf schnell verfügbaren Tagesgeldkonten zu parken. Wenn die Talsohle durchschritten ist, können Sie so schnell wieder einsteigen und verpassen keine Chance durch mangelnde Liquidität. Zudem ist Geld auf Tages- und Festgeldkonten besonders sicher, auch wenn es keine hohe Rendite bietet.

Während Rohstoffe in hohem Maße abhängig von der Entwicklung der Wirtschaftslage sind, sieht es bei Edelmetallen anders aus. Diese werden allein durch die Knappheit des Materials immer einen gewissen Wert haben und gerade in Rezessionen sind sie als „sicherer Hafen“ gefragt. Da die Wertentwicklung von Edelmetallen nur gering mit der Entwicklung der Aktienmärkte korreliert, können sie eine gute Ergänzung zur Absicherung des eigenen Portfolios sein.

Tipps für die Geldanlage in einer Wirtschaftskrise

  • Streuen Sie Ihr Vermögen möglichst weit und verteilen Sie es auf verschiedene Anlageklassen. Investieren Sie nicht in Einzelwerte, sondern besser in Fonds und ETFs. 
  • Stellen Sie eine ausreichende Liquidität sicher, um bei unerwarteten Verpflichtungen reagieren zu können.
  • Verfallen Sie nicht in Panik, Finanzentscheidungen sollten möglichst rational erfolgen. Panikverkäufe sorgen vor allem für realisierte Verluste.
  • Bedienen Sie Ihre Sparanlage ruhig weiter. In der Krise kaufen Sie günstig ein und profitieren dafür bei einer Erholung des Marktes überproportional.
  • Investieren Sie nicht in Einzelwerte und nicht nur in einer Anlageklasse. Mischen Sie Edelmetall, festverzinsliche Papiere, Wertpapiere und Sparkonten für eine breite Diversifikation.

Das könnte Sie auch interessieren

Die passende Versicherung für Sie

Premium Rente

Unsere Lebenserwartung wird immer höher. Das hat zur Folge, dass immer weniger Arbeitende immer mehr Rentner versorgen.
Mit unserer Premium Rente müssen Sie sich über Ihre finanzielle Absicherung im Alter aber keine Sorgen machen.

Jetzt berechnen