12. April 2019
Kategorie: Ihr Fahrzeug

Bußgeldkatalog fürs Motorrad: Dürfen Motorradfahrer die Rettungsgasse nutzen?

Ein Stau ist für alle Verkehrsteilnehmer eine lästige Geduldsprobe. Viele Autofahrer sind genervt, wenn sie an einem heißen Sommertag stundenlang im Auto schwitzen müssen. Wenn sich dann noch ein Motorradfahrer durch die Lücken schlängelt, ist der Neid groß, und man stellt sich die Frage: Dürfen sie das überhaupt? Was Motorradfahrern im Stau erlaubt ist, welche Verkehrsschilder sie besonders berücksichtigen müssen und wann ein Bußgeld droht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Gefahr für Motorradfahrer im Stau

Ein Motorradfahrer in voller Montur muss extreme Temperaturen aushalten, wenn er in der Sonne steht. Von unten heizen Asphalt und Motor, die Autoabgase gelangen unter den Helm, und es gibt keinen Fahrtwind zum Kühlen. Zudem kann der Fahrer beim langen Halten des Bikes leicht ermüden. Neben der Wahrscheinlichkeit eines Hitzschlags kann auch die Temperaturanzeige der Maschine schnell in den roten Bereich steigen. Um solchen Situationen zu entgehen, fahren Biker meist an den stehenden Pkw vorbei. Dies ist in Deutschland allerdings trotz mehrfacher Petitionen noch immer nicht gestattet.

Sanktionen beim Durchschlängeln

Das Befahren des Seitenstreifens ist in jedem Fall untersagt – nicht zuletzt aus dem Grund, dass es sich dabei um das verbotene Rechtsüberholen handelt. Nur in Notfällen – etwa bei einem drohenden Hitzschlag – darf der Seitenstreifen benutzt werden, allerdings ausschließlich zum Abstellen des Fahrzeugs. Ein Weiterfahren ist nicht gestattet, ansonsten drohen 70 Euro Bußgeld sowie ein Punkt in Flensburg.

Doch auch das Vorbeifahren auf der linken Seite kann zu Sanktionen führen, da hierbei ein Mindestabstand von einem Meter zum Nebenfahrzeug eingehalten werden muss. Dieser ist jedoch meist nicht vorhanden. Wer mit einem zu geringen Seitenabstand überholt, riskiert daher ein Bußgeld in Höhe von 30 Euro.

Diskussion um die Rettungsgasse

Aus Mangel an Alternativen werden seit Jahren immer wieder Stimmen laut, die fordern, die Rettungsgasse für Motorradfahrer freizugeben. In Österreich etwa ist dies gestattet – zumindest vorsichtig und in langsamem Tempo. Auch der ADAC befürwortet die Freigabe der Standspur für Zweiradfahrer, solange völliger Stillstand auf allen Fahrbahnen herrscht. In Deutschland wird eine dahingehende Gesetzesänderung jedoch noch immer strikt abgelehnt. Die Gründe:

● Die Rettungsgasse ist von allen Verkehrsteilnehmern für die Rettungskräfte freizuhalten, ansonsten wird das Motorrad zum Hindernis für Polizei und Feuerwehr, und es drohen ein Bußgeld von mindestens 200 Euro, zwei Punkte in Flensburg sowie ein Monat Fahrverbot aufgrund der nicht vorschriftsmäßigen Bildung der Rettungsgasse.

● Des Weiteren sei es nicht sinnvoll, Motorradfahrer bis zur Unfallstelle vorzulassen, wo sie ebenfalls den Rettungskräften womöglich im Weg sein könnten.

● Das Befahren der Rettungsgasse kann außerdem zu einer erhöhten Personengefährdung führen, zum Beispiel wenn ein Fahrzeug unerwartet den Fahrstreifen wechselt oder Autofahrer bei Verkehrsstillstand aussteigen und die Fahrbahn betreten, wobei Letzteres ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit darstellt.

Besondere Schilder für Motorradfahrer

Was im Straßenverkehr erlaubt ist und was nicht, wird in vielen Fällen mithilfe von Verkehrsschildern angezeigt. Die meisten Schilder gelten für alle Verkehrsteilnehmer: Pkw, Lkw und auch Motorräder. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, welche sich konkret an Biker richten.

So gibt es das Verkehrszeichen 255: ein rundes Schild mit rotem Rand und einem Motorradfahrer in der Mitte. Dieses Symbol besagt, dass das Fahren mit einem Kraftrad, Kleinkraftrad oder Mofa inklusive Beiwagen in diesem Bereich nicht gestattet ist. Wird dieses Verbot missachtet, ist mit einem Bußgeld um die 20 Euro zu rechnen – je nachdem, ob mit der Missachtung zusätzlich eine Gefährdung, Behinderung oder Sachbeschädigung einhergegangen ist.

Andersherum existiert auch ein Schild, welches die Befahrung durch Kleinkrafträder und Ähnliche gestattet. Dabei handelt es sich um ein weißes Schild mit schwarzem Rand, auf dem das Symbol eines Motorradfahrers abgebildet ist, unter dem wiederum „frei“ steht. Ein solches befindet sich meist als Zusatz unter dem allgemein geltenden Zeichen für ein Fahrverbot (rundes Schild mit rotem Rand und weißer Innenfläche).

Parken auf gekennzeichneten Flächen

Weiterhin können gesonderte Parkplätze für Motorräder existieren, welche entsprechend gekennzeichnet sein müssen. Steht das weiße P auf blauem Grund, gilt der Parkbereich für alle Verkehrsteilnehmer. Ist er für Motorradfahrer reserviert, befindet sich unter dem Schild der Zusatz „Nur für Motorräder“. Damit ist es für Biker ebenso möglich, sein Gefährt auf dem Fußgängerweg abzustellen, sofern ein gesondertes Zeichen dies genehmigt.

Grundsätzlich gilt: Ist ein Verkehrsschild insbesondere oder ausschließlich an Motorradfahrer gerichtet, befindet sich auf oder unter dem Schild das Symbol eines Motorradfahrers oder ein schriftlicher Hinweis. Auf diese Weise kann zum Beispiel auch eine gesonderte Vorgabe der Geschwindigkeitsbegrenzung explizit für Biker kenntlich gemacht werden.

Weitere Fakten rund um Bußgelder für Motorradfahrer

Grundsätzlich gelten für Motorradfahrer die gleichen Sanktionen bei Missachtung der Straßenverkehrsordnung (StVO) wie für Autofahrer, zum Beispiel bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder fehlender Beleuchtung. Wer mit dem Motorrad innerorts etwa mehr als 20 km/h zu schnell fährt, dem drohen ein Bußgeld in Höhe von mindestens 80 Euro und ein Punkt im Fahreignungsregister. Werden die Beleuchtungseinrichtungen in verschmutztem oder verdecktem Zustand verwendet, kann ein Bußgeld zwischen 20 und 35 Euro erhoben werden.

Hinzu kommen allerdings die Regelungen zur Helmpflicht, die Motorradfahrer zur ihrer eigenen Sicherheit unbedingt berücksichtigen sollten. Ist ein Biker selbst ohne den erforderlichen Helm unterwegs, muss er lediglich 15 Euro Strafe zahlen. Befördert er dagegen ein Kind ohne Helm auf seinem Gefährt, werden 60 Euro sowie ein Punkt in Flensburg fällig.

Weitere Informationen rund um den Bußgeldkatalog für Motorräder liefert der Verband für bürgernahe Verkehrspolitik e.V. in seinem kostenlosen Ratgeber.

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