22. April 2016
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Kategorie: Unterwegs

Entschädigung bei Flugverspätung: Rechte kennen und durchsetzen

Schon gewusst? Bei einer Flugverspätung von mehr als drei Stunden, einem Flugausfall oder einem verweigerten Boarding haben Passagiere Anspruch auf Entschädigung – wenn sie ihre Ansprüche durchsetzen können. Wir zeigen Ihnen, wie das geht.

Grundlage für eine Entschädigungsleistung ist die EU-Fluggastrechteverordnung (Verordnung 261/2004). In ihr ist geregelt, dass die Fluggesellschaften bei einer selbstverschuldeten Verspätung nicht nur Betreuungsleistungen erbringen, sondern auch Entschädigung zahlen müssen – und zwar:

  • 250 € pro Passagier bis zu einer Strecke von 1.500 km.
  • 600 € pro Passagier bei einer Strecke über 3.500 km bei Flügen von der EU in Drittstaaten oder von Drittstaaten in die EU.
  • 400 € pro Passagier bei allen anderen Flügen.

Startet der Flug innerhalb der EU, muss die Entschädigung von allen Fluggesellschaften bezahlt werden. Startet er in einem Drittland und landet in der EU, müssen nur europäische Airlines zahlen. Allerdings versuchen die Fluggesellschaften teilweise mit allen Mitteln, sich um die Entschädigung zu drücken: Die Forderungen werden mit fadenscheinigen Ausreden abgelehnt oder einfach nicht reagiert.

Problematisch für den Laien ist dabei auch, dass es Situationen gibt, in denen die Fluggesellschaft keine Entschädigung zahlen muss, weil sie nicht für die Verspätung verantwortlich gemacht werden kann. Beispiele für solche „außergewöhnlichen Umstände“ sind Streiks, extreme Wetterereignisse oder politische Instabilität. Ergreift die Fluggesellschaft in solchen Fällen alle zumutbaren Maßnahmen, um den Flug so schnell wie möglich durchzuführen, muss sie keine Entschädigung zahlen. Häufig wird daher darum gestritten, ob wirklich alle zumutbaren Maßnahmen (z.B. Entsendung eines Ersatzflugzeugs) ergriffen wurden oder ob die Umstände wirklich außergewöhnlich waren – leichter Schneefall im Januar dürfte beispielsweise in Deutschland häufiger vorkommen.

Daher verlassen sich die Airlines darauf, dass den meisten Kunden eine Klage zu teuer ist und sie somit nicht zahlen müssen. „Vor einiger Zeit hatten wir eine Umfrage in Auftrag gegeben und nach den Gründen gefragt, warum die Kunden ihre Entschädigung nicht eingefordert haben. Was uns erstaunt hat: Hauptgrund waren mit deutlichem Abstand die möglichen Kosten im Falle einer Klage, erst danach kam Unwissenheit über die eigenen Rechte.“ sagt Dana Oppermann, Geschäftsführerin von Flugrecht.de. „Dabei werden die Kosten meist sogar von der Rechtsschutzversicherung getragen – aber die hat leider nicht jeder.“

Damit die Rechtsschutzversicherung bezahlt, sollte man zunächst versuchen, seine Ansprüche selbst durchzusetzen. Dafür reicht ein Musterbrief. Erst wenn die Fluggesellschaft die Entschädigung ablehnt oder die gesetzte Frist verstreichen lässt, hat man einen Klagegrund und kann die eigene Rechtsschutzversicherung einschalten.

Gastautor: Christian Geltenpoth

Geschäftsführer, GDVI Gesellschaft zur Durchsetzung von Verbraucher-Interessen GmbH

HUK-Infobox:

Natürlich greift auch die Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutzversicherung von HUK-COBURG und HUK24, wenn bei Flugverspätung eine Entschädigungen vor Gericht durchgesetzt werden muss.

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