Verhalten bei Wildwechsel: Bremsen, ausweichen oder draufhalten?
Was Sie jetzt wissen müssen:
- Alle zwei Minuten ereignet sich in Deutschland statistisch ein Wildunfall.
- Für das Verhalten bei Wildwechsel gilt: Vollbremsung bei großen Tieren (Reh oder Wildschweine) einleiten, hupen – und nicht riskant ausweichen.
- Was nach einem Wildunfall zu tun ist: Unfallstelle sichern, Polizei rufen, Wildunfallbescheinigung sichern.
Wenn das Wild plötzlich auf der Fahrbahn steht
Wie sollte ich mich bei einem Wildunfall verhalten?
Wer Wild auf der Fahrbahn sieht, muss sofort und besonnen handeln.
So sollten Sie sich bei Wildwechsel verhalten:
- Fuß vom Gas, Vollbremsung bei großen Tieren einleiten: Geschwindigkeit sofort reduzieren.
- Fernlicht abblenden: Geblendete Tiere bleiben stehen, statt zu flüchten.
- Hupen: Kurzes, mehrfaches Betätigen kann das Wild verscheuchen.
- In der Spur bleiben: Ausweichen führt Sie in den Gegenverkehr oder gegen Bäume.
- Beide Hände fest am Steuer: Stabilisiert das Fahrzeug bei der Bremsung.
- Mit weiteren Tieren rechnen: Wild läuft selten allein.
Wenn es doch zu einem Zusammenstoß gekommen ist, zählt das richtige Verhalten. Bei einem Wildunfall, wie auch sonst, sollten Sie zunächst unbedingt Ruhe bewahren.
Checkliste: Das ist nach dem Zusammenstoß mit einem Wildtier zu tun
Für das richtige Verhalten bei einem Wildunfall gilt: Ruhe bewahren und bedacht vorgehen.
- Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen
- Erste Hilfe leisten, bei Verletzten Notruf 112 wählen
- Polizei rufen (110) – auch wenn keine Personen verletzt sind
- Tier nicht anfassen, nicht mitnehmen – das Wild gehört dem Jagdpächter, der in der Regel von der Polizei informiert wird
- Halten Sie Abstand von verletzten Tieren, da diese gefährlich sein können
- Fotos von Fahrzeugschäden und Unfallspuren sichern
- Wildunfallbescheinigung von Polizei oder Jäger ausstellen lassen
Ist man bei einem Wildunfall verpflichtet, die Polizei zu rufen?
In den meisten Bundesländern gilt eine gesetzliche Meldepflicht. Wer seinen Unfall nicht meldet, riskiert ein Bußgeld bis zu 5.000 €. Auch in Bundesländern, in denen die Rechtslage je nach Situation unterschiedlich ausgelegt wird, ist die Meldung für die reibungslose Schadensregulierung unverzichtbar.
Wie lange habe ich Zeit, einen Wildunfall zu melden?
Den Schaden sollten Sie so schnell wie möglich – am besten noch am Unfalltag – Ihrer Versicherung anzeigen. Viele Versicherer fordern die Meldung innerhalb einer Woche. Die Wildunfallbescheinigung von Polizei oder Jäger ist dabei der wichtigste Nachweis.
Wildunfall und Versicherung: Wer zahlt den Schaden?
Die Regulierung hängt vom abgeschlossenen Versicherungsvertrag und dem Unfallhergang ab. „Viele Versicherungsverträge beinhalten nur Haarwild“, weiß unser Experte Karl Kräußlich. „Was zum Haarwild zählt, ist im § 2 des Bundesjagdgesetzes aufgelistet. Nicht dazu zählen beispielsweise Vogelarten, Waschbären, Wölfe, Marderhunde und Biber.“
Sein Rat: „Da man sich den Gegner bei einem Wildunfall nicht aussuchen kann, ist man mit einer Teilkasko, die alle Tierarten umfasst, auf der sicheren Seite.“
Für die HUK-COBURG gilt:
- Zusammenstoß mit Haarwild: Die Teilkaskoversicherung übernimmt den Schaden – ohne Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse, da es diese in der Teilkasko nicht gibt. Eine vereinbarte Selbstbeteiligung bleibt jedoch fällig.
- Ausweichen ohne Tierkontakt: Wer ausweicht und einen Schaden verursacht, ohne das Tier zu berühren, ist grundsätzlich auf die Vollkaskoversicherung angewiesen – mit möglicher SF-Rückstufung und Selbstbeteiligung. In Einzelfällen können Ausweichschäden auch über die Teilkasko als sogenannte Rettungskosten geltend gemacht werden. Voraussetzung: Das Ausweichmanöver muss eindeutig nachgewiesen sein – ohne Zeugen ist das in der Praxis oft schwer.
Die HUK-COBURG Teilkasko Classic versichert Zusammenstöße mit allen Tierarten – nicht nur mit Haarwild.
Unser Tipp: Vorausschauend fahren und gut versichert sein
Besonders in der Dämmerung, im Herbst und Frühjahr ist das Wildunfallrisiko am höchsten. Passen Sie Ihr Tempo an, nehmen Sie Warnschilder ernst und fahren Sie vorausschauend. Ausführliche Tipps rund um den Wildunfall finden Sie im HUK-COBURG Wildunfall-Ratgeber.