12. April 2016
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Kategorie: Ihr Fahrzeug

Gebrauchtwagen – was ist „unfallfrei“?

Beim Kauf eines Gebrauchtwagens möchte man nicht über den Tisch gezogen werden. Daher sollten korrekte Angaben zum Kaufobjekt selbstverständlich sein. Doch in der Realität gehen zum Beispiel die Vorstellungen über ein „unfallfreies“ Auto mitunter deutlich auseinander. So kommt es beim  Verkauf häufig zu Missverständnissen über den wahren Zustand des zu veräußernden Fahrzeugs.

Schon ein verschwiegener Unfall, den der Verkäufer als nicht erwähnenswerten Bagatellschaden einstuft, kann ein gerichtliches Nachspiel haben. Denn ein Unfallfahrzeug muss nicht völlig demoliert gewesen sein, um als ein solches zu gelten. Vielmehr zählen nach geltender Rechtsprechung alle Blessuren eines Fahrzeugs zur Unfallschäden, die über eine leichte Lackbeschädigung hinausgehen. Laut Bundesgerichtshofs (BGH) handelt es sich um einen Bagatellschaden, wenn nur geringfügige oberflächliche (Lack-)Schäden vorliegen. Das trifft nicht auf andere Beschädigungen, insbesondere am Blech zu, auch wenn diese ohne weitergehende Folgen blieben und nur eine geringe Reparatur verursachten. Häufig wird in diesem Zusammenhang eine Obergrenze von 700 Euro genannt. Doch dieser Betrag ist umstritten. Als Bagatellschäden können ferner Beeinträchtigungen gelten, durch die dem Vermögen des Fahrzeugbesitzers kein deutlicher Wertverlust an dem beschädigten Objekt entstanden ist.

Nichts verschweigen

Somit kann ein Auto mit repariertem Blechschaden nicht mehr als „unfallfrei“ gelten – selbst wenn die Beschädigungen fachmännisch behoben wurden. Deshalb sollte jeder Kfz-Verkäufer keinerlei Informationen über solche Schäden verschweigen – schon aus Gründen der Rechtssicherheit. Denn wenn sich herausstellt, dass ein veräußertes Fahrzeug nicht die vertraglich zugesicherten Eigenschaften aufweist, kann es für den Verkäufer juristisch eng werden - indem darin ein Betrugsversuch gesehen wird.

Schwarze Schafe gibt es immer wieder

Daher sollten Kaufinteressenten wissen, was bei einem Fahrzeug möglicherweise auf Unfallschäden hindeuten kann. Häufig wird auf die Spaltmaße verwiesen, also die Abstände zwischen Karosserieteilen: Unterscheiden sie sich auffallend, kann dies ein Indiz für einen reparierten Schaden sein, zumindest jedoch auf den Austausch von Blechteilen hinweisen – bzw. auf das Werk eines unprofessionellen „Schraubers“. Verdächtig sind ebenfalls Unterschiede im Farbton von Karosserieteilen, die auf Nachlackierungen schließen lassen.

Gleiches gilt, wenn der Lack verschiedene Alterungs- bzw. Abnutzungsspuren zeigt. Ein nahezu untrügliches Anzeichen von Ausbesserungen am Fahrzeug sind Farbreste auf Gummidichtungen. Auch wenn eine Türdichtung deutlich jünger ist als die anderen, ist eine Nachfrage angebracht.

Sicherheitshalber sollte der Verkäufer zudem bereit sein, im Kaufvertrag zuzusichern, dass es sich bei dem Kaufobjekt um ein unfallfreies Fahrzeug handelt. Wer hier zögert, führt möglicherweise Übles im Schilde. Schließlich sollte ein Unfallschaden genau beschrieben werden. Dann kann man bei einer möglichen späteren Reklamation andere Mängel davon abgrenzen. 

Wenn es Ärger gibt

Wer sich für Streitigkeiten beim Kauf eines Gebrauchtwagen wappnen will, kann mit einer Rechtsschutzversicherung vorsorgen. Mit dem Privat-, Berufs- und Verkehrs-Rechtsschutz der HUK-COBURG oder der HUK24 ist das Recht auf Ihrer Seite. 

Autor:

Stefan Eichhorn

Unternehmenskommunikation

 

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