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HUK-Mobilitätsstudie 2026:
Rote Karte für die Bahn, Stillstand beim ÖPNV und Ermüdung bei der Fahrrad-Begeisterung – Auch die Jugend setzt bei der Mobilität der Zukunft vor allem auf das Auto
- Mehr als jeder dritte Bundesbürger (35 %) versucht inzwischen "Bahnfahrten wenn irgend möglich zu vermeiden"
- Bus sowie Straßen- und S-Bahn stagnieren in der Beliebtheit seit bereits fünf Jahren – obwohl sich gleichzeitig viele Hoffnungen darauf richten
- Das Fahrrad fällt als Verkehrsmittel der Zukunft seit der Corona-Pandemie um mehr als ein Drittel in der Beliebtheit zurück
- Neue Regeln beim Führerscheinerwerb werden gerade von jungen Menschen fast durchgehend abgelehnt
- Der Frust über unkalkulierbare Mobilitätsverhältnisse ist in Nordrhein-Westfalen am größten
Coburg, 23.04.2026
Die Bundesbürger reagieren inzwischen massiv auf die Zuverlässigkeits-Probleme der Bahn. Das belegt die seit 2021 jährlich durchgeführte HUK-Mobilitätsstudie. Laut der diesjährigen Befragung von 4114 Bürgern ab 16 Jahren (repräsentativ nach Alter und Geschlecht) versucht jeder Dritte inzwischen, "Bahnfahrten wenn irgend möglich zu vermeiden" (35%). Und mehr als jeder Vierte macht "wichtige Termine grundsätzlich nicht mehr mit der Bahn" (26 %) oder plant Bahnfahrten "nur mit deutlich größerem Zeit-Puffer als noch vor etwa zwei Jahren" (28%).
Breite Resignation beim Gesamtzustand der Mobilität in Deutschland zeigt sich aber auch an anderen Stellen. So werden die Hauptpfeiler des ÖPNV, also Straßen-, S-Bahnen und Bus, konstant seit 2021 von nur maximal 13 % der Bundesbürger als Verkehrsmittel der Zukunft eingestuft. Die Einschätzung des Fahrrads als Verkehrsmittel der Zukunft ist seit den Corona-Jahren inzwischen sogar um mehr als ein Drittel eingebrochen – auf nicht einmal heute jeden fünften Befragten (16 %). Gewinner der Entwicklung ist das Auto. Mit einem neuen Spitzenwert von 76 % verschiebt es das Voting der Bundesbürger noch weiter nach vorn und macht es zum mit Abstand beliebtesten Verkehrsmittel der Zukunft. Auffällig ist dabei im Vergleich zum Vorjahr, dass das Auto bei jungen Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren in der positiven Zukunfts-Einschätzung am stärksten hinzugewinnt. Und in dieser Altersgruppe sinkt auch die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit der Bahn am kräftigsten ab.
Wie stark sich die Jüngeren dem Auto zuwenden, zeigt vor allem auch der Langfrist-Vergleich. So stieg die Auto-Präferenz der unter 40-Jährigen in den vergangenen vier Jahren dreimal so stark an wie bei den Befragten ab 40 Jahren. In der Folge liegen die Werte heute fast gleichauf, es gibt beim Voting für das Auto als Top-Verkehrsmittel der Zukunft also fast keinen Generationen-Unterschied mehr (75 % zu 76 %). Das Verhältnis sah im Jahr 2022 anders aus, damals waren es 64 % zu 73 %.
Neue Mobilitätskonzepte gefragt – vor allem beim ÖPNV
Wie stark die Deutschen der Zustand der Mobilität bedrückt, zeigen hohe Zustimmungswerte für Verbesserungsvorschläge: Rund sieben von zehn Bundesbürgern plädieren für einen grundsätzlich kostenfreien öffentlichen Nahverkehr (67%), für eine deutlich erhöhte Taktung im Bus- und Bahnverkehr (66 %) sowie das bundesweit einsetzbare Deutschland-Ticket (71 %). Die meisten Befragten lehnen zwar ein Verbot von Autoverkehr in den Innenstädten ab – stehen aber dem Parken ausschließlich in zentralen, sogenannten Quartiersgaragen eher positiv gegenüber. Auch das Votum für eine staatliche E-Auto-Förderung nimmt deutlich zu. Waren 39 % in 2024 dafür und im vergangenen Jahr 45 %, sind es nun mehr als die Hälfte (52 %). Interessant: Zwar sprechen sich die Jüngeren unter 40 Jahren noch immer stärker für die staatliche E-Förderung aus (60 %). Aber am stärksten nimmt die Zustimmung bei den Älteren ab 40 Jahren zu – von im Vorjahr erst 31 % stieg er auf jetzt 47 %.
„Unsere langjährige Mobilitäts-Studie zeigt, wie gespalten die Deutschen sind. Sie sehen den schlechten Zustand der Mobilität, beschränken sich aber nicht aufs Klagen, sondern unterstützen vehement Verbesserungsvorschläge. Gerade auch auf das E-Auto setzt man Hoffnungen und befürwortet immer stärker eine staatliche Förderung.“
„Unsere langjährige Mobilitäts-Studie zeigt, wie gespalten die Deutschen sind. Sie sehen den schlechten Zustand der Mobilität, beschränken sich aber nicht aufs Klagen, sondern unterstützen vehement Verbesserungsvorschläge. Gerade auch auf das E-Auto setzt man Hoffnungen und befürwortet immer stärker eine staatliche Förderung.“
Ältere sind stärker betroffen als Jüngere – digitale Angebote verpuffen
Harsch fällt heute der Vergleich aus, wie sich der Gesamtzustand der Mobilität in den Augen der Bundesbürger in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hat. Neun von zehn abgefragten Kriterien wie Schnelligkeit, Zuverlässigkeit, Kosten oder Organisierbarkeit werden per Saldo zum Teil drastisch schlechter bewertet als vor fünf Jahren. Nur der CO2-Ausstoß wird etwas besser beurteilt. So erklären ganze 9 % der Befragten, dass man Fahrten heute verlässlicher planen kann als vor fünf Jahren – jeder Zweite (49 %) findet dagegen, dass sich dies verschlechtert hat (34% sind neutral, 8% ohne Angaben). Neue digitale Möglichkeiten, Mobilität zu organisieren, verpuffen offenbar weitgehend. So leiden vor allem Ältere unter dem Gesamtzustand der Mobilität in Deutschland: Rund doppelt so viele der über 55-Jährigen beklagen im Vergleich zu Befragten unter 25 Jahren, dass sie auf der Straße oder Schiene heute langsamer ihre Ziele erreichen als vor fünf Jahren. Fast ebenso groß ist der Unterschied bei der Beurteilung, ob Mobilität schwieriger zu organisieren geworden ist. Auch die abnehmende Verlässlichkeit der Zeitplanung monieren die älteren Befragten zu fast einem Drittel häufiger als junge Menschen unter 25 Jahren.
Nur zwei Führerschein-Neuerungen werden insgesamt positiv bewertet
Überraschendes bringt der Generationen-Vergleich zu aktuell diskutierten Änderungen beim Führerscheinerwerb zu Tage. So sehen gerade die jungen Leute, deren Portemonnaie die vorgeschlagenen Maßnahmen eigentlich entlasten sollen, die meisten Maßnahmen negativ. Mehr als die Hälfte der 16- bis 24-Jährigen stuft etwa reduzierte pflichtmäßige Übungsfahrten als "gar nicht gut" und "weniger gut" ein (54 %, Gesamtbevölkerung 59 %). Und gegenüber der geplanten Anrechnung eines Fahrtrainings mit Familienmitgliedern auf Übungsplätzen ist die Ablehnung in dieser Altersgruppe sogar noch höher als in der Gesamtbevölkerung (51 %, gesamt 47 %). Positiv werden in der deutschen Bevölkerung insgesamt nur zwei der sieben diskutierten Vorschläge gesehen: Dass Theoriestunden überwiegend digital erfolgen können sowie Kosten und Durchfallquoten von Fahrschulen online einsehbar werden.
Jüngere fordern vor allem Nachprüfungen für über 75-Jährige
Trotz der generationsübergreifenden Auto-Präferenz wünschen sich die Deutschen für mehr Sicherheit auf den Straßen schärfere Maßnahmen der Politik. "Härtere Strafen bei Verkehrsvergehen" wird mit 40 % am stärksten präferiert. Interessant: Besonders stark wird das in der Gruppe der 25 bis 34-Jährigen gefordert (45 %). An zweiter Stelle wollen 37 % aller Bundesbürger, dass "verstärkte Polizeikontrollen Fahrten etwa mit überhöhter Geschwindigkeit oder unter Alkohol- sowie Drogeneinfluss besser verhindern". An dritter Stelle liegt eine pflichtmäßige Führerschein-Nachprüfung für alle ab 75 Jahren. Allerdings: Bei den unter 40-Jährigen fordert das nicht nur mehr als die Hälfte (52 %). In dieser Altersgruppe wird diese Maßnahme sogar als die mit Abstand wichtigste überhaupt für mehr Verkehrssicherheit angesehen. Maßnahmen jenseits einer härten staatlichen Hand werden dagegen nur geringere Effekte für erhöhte Verkehrssicherheit zugetraut. Etwa längere Probezeiten für Fahranfänger oder regelmäßige Nachschulungen für alle Autofahrer und Sehtests.
Unterschiede zwischen den Bundesländern
Differenzen zeigt auch die regionale Auswertung. Härtere Strafen bei Verkehrsverstößen werden von den Bewohnern der drei Stadtstaaten deutlich stärker als in allen anderen Bundesländern gefordert (Berlin 48 %, Hamburg und Bremen 45 %). Auch der Anteil von Befürwortern schärferer Kontrollen ist in Berlin am höchsten (45%). Vor das drittplatzierte Hamburg (43 %) schiebt sich hier noch Sachsen-Anhalt (44 %).Den größten Frust über fehlende Zeitverlässlichkeit bei der Mobilitätsplanung gibt es in Nordrhein-Westfalen: Deutlich mehr als die Hälfte (57 %) monieren das hier. Ebenfalls an der Spitze liegt im bevölkerungsreichsten Bundesland der Ärger über zurückgehende Schnelligkeit beim Erreichen der Ziele (39 % wie auch in Mecklenburg-Vorpommern gegenüber 33 % im Bundesschnitt).
Hier finden Sie alle Ergebnisse der Mobilitätsstudie 2026.
Alle bisherigen Studien zum Download
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