6. Juni 2019
Kategorie: Gesundheit

Warum sich viele ein Leben lang an ihren Kinderarzt erinnern

Meine Kinder und ich sind immer gern zum Kinderarzt gegangen. Er war unser Vertrauter über viele Jahre hinweg – bis zur Pubertät. Er erkundigte sich genau, untersuchte mit erfahrener Hand, nahm Anteil an Wehwehchen und Problemen – und das Beste war: zum Schluss der Untersuchung gratulierte er der Mutter zu diesem prächtig entwickelten Kind. Nicht nur meine Kids, sondern auch ich selbst bin immer etwas größer aus der Praxis herausmarschiert als hinein.

Vorbeugen ist besser als heilen!

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt sind absolut notwendig, um Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ihr Kinderarzt wird aber auch genau hinhören, wenn Ihr Kind Sorgen in der Kita oder Schule hat. Der Arzt und das Praxisteam begleiten Ihr Kind durch seine ersten Lebensjahre – und legen die Grundsteine für ein gesundes Leben. 

U-Untersuchungen bei Kindern – was wird wann gemacht?

Bis zum Vorschulalter gibt es 10 Vorsorge-Untersuchungen (U1 bis U9, inkl. U7a).  Vier der U-Untersuchungen sind in den ersten Stunden, Tagen und Wochen nach der Geburt vorgesehen. Die U1 und U2 finden in der Regel im Krankenhaus statt.

Die erste Untersuchung beim Kinderarzt ist meistens dann die U3. Bei ihr lernt der Kinderarzt Ihr Baby zum ersten Mal richtig kennen. In dieser und allen folgenden Untersuchungen wird er das Kind zunächst messen und wiegen. Dann bespricht er mit Ihnen alltägliche Themen wie Stillen, Schlafen und Verdauung. Bei jedem Früherkennungstermin sind bestimmte Tests vorgesehen, aber auch Zeit für Beratung. Fragen Sie Ihren Arzt alles, was Ihnen unter den Nägeln brennt: etwa zu den Themen Impfen, Allergien, plötzlicher Kindstod, Kariesprophylaxe, Schreibaby oder UV-Schutz.

Achtung: Falls Sie ambulant oder zu Hause entbunden haben, sollten Sie auch die U2 vom Kinderarzt vornehmen lassen. 

Babys Vorsorge-Untersuchungen: U1 bis U6

Das geschieht bei den ersten Vorsorge-Untersuchungen:

Vorsorge-Untersuchung U1

Direkt nach der Geburt wird das Neugeborene auf Verletzungen und Fehlbildungen untersucht. Zur U1 gehört auch der Apgar-Test, der die Vitalfunktionen Ihres Kindes überprüft.

Vorsorge-Untersuchung U2

Das ist die Neugeborenen-Basis-Untersuchung, die zwischen dem 3. und 10. Lebenstag meist noch im Krankenhaus erfolgt. Zu ihr gehört die Prüfung der Reflexe, Augen und Ohren ebenso wie ein Stoffwechsel-Screening. Zudem berät Sie eine Hebamme oder eine entsprechend ausgebildete Kinderschwester zur Ernährung Ihres Babys und zu möglichen Stillproblemen.

Vorsorge-Untersuchung U3

Sie findet in der 4. bis 6. Lebenswoche statt. Der Kinderarzt untersucht, ob sich Ihr Baby bislang gut entwickelt hat. 150 Gramm in der Woche sollte der Säugling zunehmen. Zur U3 gehört auch ein Ultraschall des Hüftgelenks. 

Vorsorge-Untersuchung U4

Zwischen dem 3. und 4. Lebensmonat überprüft der Arzt auch Babys Hör- und Sehvermögen. Er wird die Fontanelle abtasten und die Beweglichkeit sowie das Reaktionsvermögen Ihres Kindes testen. Und auch nachfragen, ob es Probleme beim Schlafen oder Trinken hat.

Vorsorge-Untersuchung U5

Um das erste halbe Lebensjahr herum erfolgt diese Untersuchung. Neben Fragen der Ernährung geht es auch um die motorische Entwicklung Ihres Kindes. Kann es nach Gegenständen greifen? Macht es erste Versuche, sich zu drehen? 

Vorsorge-Untersuchung U6

Diese Untersuchung zwischen dem 10. und dem 12. Lebensmonat konzentriert sich auf eventuelle Entwicklungsverzögerungen Ihres Kindes. Typische Fragen des Kinderarztes: Zieht es sich zum Stehen hoch? Wie ist seine Sprachentwicklung? Was zeigt es für ein Essverhalten? Stimmt die Verdauung?

Kleinkind Vorsorge-Untersuchungen: U7 bis U9

Bei der U7 gegen Ende des zweiten Lebensjahres geht es – neben der körperlichen Untersuchung – jetzt verstärkt um die geistige Entwicklung Ihres Kindes. Kann es mehr als zehn Wörter sagen? Bildet es schon kleine Sätze und reagiert auf sprachliche Aufforderungen? Die U7a Ende des dritten Lebensjahres nimmt die Zähne des inzwischen fast Dreijährigen unter die Lupe. Bei der U8 im Alter von vier Jahren stehen die geistige Entwicklung und das Hörvermögen Ihres Kindes im Fokus. Abgeschlossen wird die Reihe der Untersuchungen mit der U9 im Alter von über fünf Jahren. Jetzt geht’s auch um das Sozialverhalten Ihres Vorschulkindes.

Vorsorge-Untersuchung für Ihr Schulkind: U10 und U11

Ihr Kind geht bereits in die Grundschule, wenn die nächste Vorsorge-Untersuchung im Alter von sieben bis acht Jahren ansteht. Der Arzt wird staunen, was es jetzt schon alles kann – aber auch nach Problemen im Schulalltag fragen. Liegt eine Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörung vor? Kann sich das Kind gut konzentrieren? Die U11 zwei Jahre später schaut ebenfalls auf die schulische Entwicklung. Sie wird aber nicht von allen Krankenkassen übernommen.

Große Jugendvorsorge J1

Die J1 zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr ist der große Gesundheitscheck für alle Jugendlichen. Die wichtigen Themen sind jetzt Impfstatus, Blut- und Harnuntersuchung, psychische Probleme und andere Sorgen. Wenn der Kinderarzt über die Jahre Vertrauen aufbauen konnte, kann er jetzt seine Rolle als Berater nutzen und mit dem Jugendlichen über Verhütung, Drogen und familiäre Probleme sprechen. Mami ist da nicht mehr dabei.

Das gelbe Kinder-Untersuchungsheft – bitte zu jeder Untersuchung mitbringen

Bereits im Krankenhaus bekommen Sie das gelbe Vorsorge-Heft ausgehändigt, das Sie und Ihr Kind die nächsten Jahre durch alle Vorsorge-Untersuchungen begleiten wird. Die Termine für die U3 bis U9 sowie die Impftermine stehen auf dem Deckblatt. Dieses Heft sollten Sie gut aufbewahren und zu jedem Arztbesuch mitbringen. Ihr Kinderarzt wird darin alle Testergebnisse und die wichtigsten Gesundheitsdaten Ihres Kindes eintragen. 

Zusätzlich gibt das grüne Checkheft Auskunft über zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, die Sie aber in der Regel selbst bezahlen müssen:

U-Untersuchung bei Kindern verpasst – was tun?

Falls Sie die Frist für eine U-Untersuchung versäumt haben, lässt sie sich nachholen. Bloß kommt in dem Fall nicht mehr die Krankenkasse für die Kosten auf und die U wird als IGel-Leistung berechnet.

Die Aufmerksamkeit der Eltern ist unersetzlich

Fast alle Eltern nutzen die Früherkennung (Vorsorge) beim Kinderarzt und lassen auch eine Grundimmunisierung (Impfungen) ihres Kindes vornehmen. Zugleich sollten Sie nicht versäumen, Ihr Kind ab und zu genau zu beobachten. Sind die Augen in Ordnung? Hört es gut? Wie sind sein Gang und seine Körperhaltung? Fühlt es sich wohl in der Kita, Schule oder zieht es sich zurück? Gehen Sie besser einmal mehr zu einer Untersuchung als umgekehrt, denn die meisten Entwicklungsverzögerungen lassen sich durch entsprechende Unterstützung leicht nachholen.

Auch wir wurden mal etwas unruhig, als uns eine Erzieherin in der Kita darauf aufmerksam machte, dass unsere Tochter in der Sprachentwicklung zurückliege. Eine Untersuchung beim Kinderarzt ergab, dass sie keinen Hörschaden hatte, wie die Erzieherin vermutete, sondern einfach nur etwas sprachfaul war. Dafür war sie motorisch besonders fit. Heute quasselt sie mehr als unsere anderen beiden Kinder. 

Quellen: https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/frueherkennung-u1-u9-und-j1/untersuchungen-u1-bis-u9/

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/vorsorge/

Gastautorin: Anna Sinnwell

Wenn Anna Sinnwell nicht über Medizin, Gesundheit und Wellness schreibt, joggt sie durch den Stadtwald, steht im Yoga-Hund oder trifft sich mit Freundinnen zum Kaffee. Sie lebt mit ihrer Familie in München. 

 
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