14. Mai 2019
Kategorie: Gesundheit

Gut gerüstet für die Weltreise?

Meist bleibt unser Erste-Hilfe-Set im Rucksack – aber einmal war ich tatsächlich heilfroh, dass ich das Täschchen nicht vergessen hatte. Mein Mann und unser Jüngster waren im Mittelmeer getaucht und einen großen Polypen entdeckt. Auf dessen Spuren gerieten die beiden zwischen zwei Felsen – und in die Brandung. Bevor ihn sein Vater aus dem Wasser fischen konnte, erlitt mein Sohn mehrere Schürfwunden. Die taten ihm höllisch weh, mühsam hielt er die Tränen zurück. Aber als er dann bei Mami auf dem Handtuch saß und sie ihn mit Mullbinden und Heftpflaster verarztete – sah die Welt schon wieder besser aus. Und alles war (fast) wieder gut, als er danach auf Papas Rücken zum Sanitäter am nahen Badestrand getragen wurde.

Was gehört in die Reiseapotheke?

Zur Grundausstattung meiner Urlaubsapotheke gehört, neben den Medikamenten, die man auch zu Hause einnehmen muss, sowie dem Erste-Hilfe-Set, Folgendes:

• Fieberthermometer

• Pinzette und Zeckenzange 

• Medikamente gegen Fieber, Schmerzen und Erkältungen. Manche Mittel wie etwa Paracetamol gibt es auch als Kautabletten, sodass Sie zum Einnehmen kein Wasser benötigen.

• Medikamente gegen Reisekrankheit, Übelkeit und Durchfall

• Sonnenschutz

• Insektenschutz

Achtung bei Paracetamol und anderen fiebersenkenden Mitteln: Sie können eine beginnende Malaria „überdecken“. Acetylsalicylsäure (ASS) sollten Sie in tropischen Ländern nicht einnehmen, weil bei einer viralen Infektion das Blutungsrisiko steigt: Die Thrombozytenzahl sinkt und ASS wirkt zusätzlich blutverdünnend. Für kleine Kinder ist ASS ohnehin ungeeignet.

Insektenschutz und Zeckenzange, aber was ist mit Schlaf- und Verdauungsstörungen?

Insektenschutz heißt vor allem Schutz vor Moskitos, die in den Tropen gefährliche Krankheiten (Malaria, Dengue) übertragen können. Auch ein Schutzspray gegen bissige und lästige Stechmücken ist in manchen Gegenden hilfreich, ebenfalls ein Mittel gegen Juckreiz. Eine Zeckenzange brauchen Sie, um die blutsaugenden Zecken möglichst rasch von der Haut zu ziehen. 

Allerdings leiden viele Urlauber – wie ich – auf Reisen unter Schlafstörungen und auch die Verdauung läuft nicht wie daheim. Daher kommen bei mir auch Schlafbrille und Ohrstöpsel sowie ein Päckchen Backpflaumen ins Urlaubsgepäck. 

Reiseapotheke-Set für Trekking- und Fahrrad-Touren

Wir machen zwar auch gerne Sport im Urlaub, der ist aber – abgesehen von unseren Tauch- und Schnorchel-Abenteuern – weniger unfallträchtig. Wer allerdings zu Fuß in unwegsamem Gelände oder mit dem Rad unterwegs ist, sollte immer ein Erste-Hilfe-Set dabeihaben. 

Hier eine Reiseapotheke-Checkliste für Outdoor-Aktivitäten:

• Desinfektionsmittel – zum Desinfizieren von Wunden. Diese sollten Sie aber zuvor unter fließendem Wasser reinigen und Fremdkörper mit der Pinzette entfernen.

• Verbandszeug (mit sterilen Mullkompressen, Mullbinden, Heftpflaster, Schere und Pinzette)

• Sicherheitsnadeln – zum Befestigen des Wundverbands oder für andere Gelegenheiten

Impf-Tipp: Überprüfen Sie vor Reiseantritt Ihren Impfstatus und nehmen Sie den Impfkalender mit in den Urlaub. Falls Sie eine Fernreise antreten, lassen Sie sich zuvor von einem Tropenmediziner beraten bzw. impfen. Eine Malaria-Prophylaxe ist in bestimmten Ländern empfehlenswert, meistens reicht es aber, ein Behandlungsmedikament dabeizuhaben. Das nehmen Sie dann vor Ort erst ein, wenn bei Ihnen ein berechtigter Verdacht auf Malaria besteht.

Homöopathische Reiseapotheke

Viele meiner Bekannten würden nie ohne ihre Rescue-Tropfen oder bestimmte Globuli verreisen. Hier sind die beliebtesten Arzneistoffe aus der Homöopathie:

• Nux Vomica D12 (Brechnuss) – bei Übelkeit, Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden aller Art 

• Arnica Montana C30 (Bergwohlverleih) – bei allen kleineren Verletzungen (Prellungen, Blutergüssen, Schürfwunden, aber auch Muskelkater)

• Belladonna D12 (Tollkirsche) – bei allen Entzündungen und Infektionen vom grippalen Infekt bis zum Sonnenbrand oder -stich

• Apis C30 – bei Bienen- oder Wespenstichen

Für alle aufgeführten homöopathischen Heilmittel gilt: Treten Beschwerden auf, 5 Kügelchen oder Tropfen umgehend einnehmen.

Bachblüten und Rescue-Tropfen – sie sind eine reine Glaubensfrage. Aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge.

Reiseapotheke: Kinder sind anfälliger

Mit Kindern unterwegs sein, heißt immer auch, für Verletzungen und Infekte gerüstet zu sein. Kinder fallen schnell einmal hin und sie stecken sich auch leichter an als Erwachsene.

Reiseapotheke: Kinder-Checkliste

Erkältungsinfekte: Folgendes sollten Sie in kindgerechter Dosierung immer parat haben:

• Nasenspray zum Abschwellen der Nasenschleimhäute

• Lutschpastillen gegen Halsweh 

• Ohrentropfen gegen Ohrenschmerzen 

• Fiebersenkende Mittel (kein ASS!)

Durchfall und Bauchschmerzen:

Die häufigste Erkrankung von Kindern und Erwachsenen auf Reisen sind Durchfallerkrankungen. Oft hängen Sie mit mangelnder Lebensmittelhygiene zusammen – oder damit, dass wir etwas Ungewohntes gegessen haben. Da Kinder zentral wirkende Durchfallmittel nicht einnehmen dürfen, sollten Sie bei Ihrem Kind unbedingt für einen guten Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes sorgen: 

• Idealerweise nehmen Sie immer eine Elektrolyt-Lösung aus Ihrer Apotheke mit.

• Bei leichteren Durchfällen können Sie Ihrem Kind aber auch einen gestrichenen Teelöffel Kochsalz und acht Teelöffel Traubenzucker in einem Liter Wasser auflösen. Diese Mischung vermengen Sie mit einer Tasse Orangensaft. Wenn Sie einen Mixer zur Verfügung haben, schmeißen Sie noch zwei Bananen dazu. Mit diesem Getränk ersetzen Sie den Mineralienverlust. 

Cola und andere coffeinhaltige Getränke eignen sich nicht, da sie möglicherweise den Körper zusätzlich dehydrieren. 

Sonnen- und Insektenschutz:

• Kinderhaut ist wesentlich empfindlicher als die Haut von Erwachsenen und benötigt deshalb auch einen besonders guten Schutz: Cremen Sie ihr Kind mit einer Kindersonnencreme ein, die mindestens Lichtschutzfaktor (LSF) 30 hat und wiederholen Sie diese Prozedur nach jedem Aufenthalt im Wasser und alle zwei Stunden.

• Am besten tragen Kinder außerhalb des Wassers und im Wasser ein (evtl. mit einem speziellen Sonnenschutz beschichtetes) T-Shirt und einen Hut mit Krempe, der auch Nacken und Ohren schützt. Lassen Sie Ihr Kind nicht in der Mittagszeit in der prallen Sonne spielen. Zwischen 11 Uhr und 16 Uhr sind die Strahlen besonders intensiv. Sonnenstichgefahr!

• Packen Sie einen Insektenschutz ein, der für Kinder geeignet ist

Notfallapotheke Baby

In den ersten drei Monaten genießen Babys durch das Stillen noch einen gewissen Infektionsschutz. Reisen in die Tropen sind weniger zu empfehlen. Planen Sie deshalb Ihre Reise babyfreundlich, dann haben auch Sie selbst am meisten davon. Falls Ihr Baby dennoch an Durchfall erkrankt, müssen Sie bei ihm besonders auf die Flüssigkeitszugabe achten:

• Wenn Sie noch stillen, dann geben Sie Ihrem Baby öfter die Brust. Und – falls Sie zu wenig Milch haben – zwischendurch ein Fläschchen mit ungesüßtem Tee.

• Ansonsten geben Sie ihm Elektrolyt-Lösungen, die für Babys geeignet sind, und ungesüßte Tees.

Kleine Babys trocknen viel schneller aus als größere Kinder und Erwachsene. Deshalb gehen Sie besser früher als zu spät in eine Klinik. 

Reiseapotheke Schwangerschaft

Vor allem in der ersten Schwangerschaft genießt man eine Reise ganz besonders. Mein Mann und ich haben jede Gelegenheit genutzt, um unterwegs zu sein, solange wir noch zu zweit sind. Sicherlich werden Sie jetzt nicht ans andere Ende der Welt fliegen, sondern es sich in der Nähe schön machen. 

Eine Reiseapotheke in der Schwangerschaft ist besonders wichtig. Am besten besprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über Ihre individuelle Reiseapotheke und fragen Sie, welche Medikamente bei Erkältungen, Fieber etc. für Sie geeignet sind. Dabeihaben sollten Sie außerdem:

• Magnesium (als Pulver oder Tabletten). Viele Frauen neigen in der Schwangerschaft zu Wadenkrämpfen.

• ein Mittel gegen Übelkeit, z. B. Vomex A 

• ein Mittel gegen Durchfall und eine Elektrolyt-Lösung

• Thrombosestrümpfe für lange Autofahrten oder Flüge

Folgendes sollten Sie noch bedenken:

• Mutter-Kind-Pass mitnehmen.

• Unterwegs viel trinken.

Quellen: 

https://www.internisten-im-netz.de/vorsorge/reisemedizin-impfungen/reiseapotheke.html https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/sonnenschutzmittel-mehrmals-und-reichlich-anwenden/

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2013-04/ass-vorsicht-in-den-tropen/

Gastautorin: Anna Sinnwell

Wenn Anna Sinnwell nicht über Medizin, Gesundheit und Wellness schreibt, joggt sie durch den Stadtwald, steht im Yoga-Hund oder trifft sich mit Freundinnen zum Kaffee. Sie lebt mit ihrer Familie in München. 

 
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