3. April 2019
Kategorie: Gesundheit

Sprechstunde bei Dr. Google – woran Sie vertrauenswürdige Gesundheits-Websites erkennen

Sind Brokkoli-Sprossen ein wirksames Mittel gegen Krebs? Hilft Kurkuma bei Alzheimer? Und wirken Globuli bei Schnupfen? Wenn ich als Wissenschaftsjournalistin einen Artikel schreibe, recherchiere ich natürlich auch im Internet. Bei Dr. Google finde ich auf wirklich jede Frage rund um die Gesundheit zahllose Tipps und Angebote. Nicht immer gelingt es mir auf den ersten Blick, seriöse Gesundheitsratgeber von unseriösen zu unterscheiden.

Manches Gesundheitsportal oder Gesundheitslexikon ist so gut gemacht, dass ich erst bei genauerem Hinsehen die Geschäftemacherei erkenne, die dahintersteckt. Und wenn ich als Fachfrau schon genau hinschauen muss, wie geht es dann erst Lesern, für die Medizinwissen eine fremde Materie ist.

Medizininformationen online – welche sind gut?

Eine 2018 veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt meine Erfahrung: Viele Menschen sind bei Gesundheitsfragen nicht in der Lage, seriöse Informationen rund um das Thema Gesundheit von unseriösen zu unterscheiden. Jeder Zweite hat zudem Schwierigkeiten, gesundheitsrelevante Informationen zu verstehen. Geschweige denn, sie ins individuelle Handeln wirksam umzusetzen. Die gute Nachricht ist, dass es eindeutige Hinweise gibt, die uns ziemlich schnell verraten, wie seriös eine Medizininformation im Internet tatsächlich ist. 

Medizininformationen online – darauf sollten sie achten!

Die Grundregel Nummer 1 für Ihre Online-Recherche lautet: Verlassen Sie sich bei der Befragung von Dr. Google nie auf eine einzige Quelle. Besonders seriös und verlässlich sind sogenannte evidenzbasierte Gesundheitsinformationen. Der Begriff kommt vom englischen Wort "evidence". Das heißt übersetzt „Beweis“ oder „Beleg“. Ein einzelner Beweis für die Wirksamkeit lässt sich nicht verallgemeinern. Deshalb hat er eine schlechte Evidenz. Wenn dagegen eine neue medizinische Untersuchungs- und Behandlungsmethode in einer oder mehreren durchgeführten Studien sorgfältig untersucht wurde, spricht man von guter Evidenz. 

Das Besondere an evidenzbasierten Gesundheitsinformationen ist, dass sie sich nur auf Informationen aus gewissenhaft durchgeführten wissenschaftlichen Studien beziehen und regelmäßig aktualisiert werden. Sowohl die Vorteile als auch die Risiken und Nebenwirkungen einer Behandlung werden in solchen Gesundheitsinformationen ausführlich beschrieben. Denn falsche Gesundheitstipps können schlimme Folgen für Ihre Gesundheit haben. Zum Beispiel, wenn Sie sich aufgrund einer Fehlinformation für die verkehrte Therapie entscheiden. 

Fakt oder Fake? So erkennen Sie vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen im Internet

1. Wer ist der Absender?

Ist klar, wer die Information geschrieben hat und wer für die Inhalte verantwortlich ist? 

Tipp: Werfen Sie einen Blick auf die Autorenzeile sowie in die Rubrik „Über uns“ oder in das Impressum. So wissen Sie, wer der Urheber der Informationen ist. Und welche Interessen dieser möglicherweise verfolgt. Vorteilhaft ist es auch, wenn Sie Angaben zur Qualifikation des Autors erhalten. Seien Sie lieber vorsichtig, wenn Sie das Impressum schlecht finden oder kein Autor genannt wird.

2. Was sind die Ziele und Absichten?

Erkennen Sie die Ziele der Webseite? Wird deutlich, welche Absichten dahinterstecken?

Tipp: Gute Gesundheitsinformationen erklären auf der Website, an wen sie sich richten, welche Absicht sie verfolgen und welche Qualitätsansprüche sie haben. Seien Sie immer besonders skeptisch, wenn Ihnen kostenpflichtige Zusatzmaterialien und teure Produkte („Neues Wundermittel gegen Krebs hilft sofort!“) angeboten werden.

3. Wie aktuell sind die Gesundheitsinformationen?

Können Sie erkennen, wann die Informationen erstellt wurden und wie neu sie sind? Werden die Gesundheitstipps regelmäßig aktualisiert? 

Tipp: Im Prinzip überholt sich unser medizinisches Wissen alle paar Jahre. Wird eine Information seit Jahren nicht aktualisiert, ist sie womöglich veraltet. In der Regel sollte eine Gesundheitsinformation nicht älter als drei bis vier Jahre sein. Suchen Sie auf der Website nach einem Erstellungs- oder Aktualisierungsdatum. Dann wissen Sie, wie aktuell die Information ist.

4. Werden Quellen zitiert?

Ist deutlich, auf welche Quellen sich die Gesundheitsinformationen stützen? 

Tipp: Seriöse Autoren belegen ihre Aussagen mit mehreren Quellenangaben. Sie sollten diese innerhalb oder unterhalb des Textes finden. Als besonders sicher gelten Quellen, die sich auf die Ergebnisse großer Studien stützen, in denen die Wirksamkeit eines Untersuchungs- oder Behandlungsverfahrens nachgewiesen wird. Vorsicht sollten Sie bei folgenden Quellenangaben walten lassen: „Ureinwohner behandeln Kopfschmerzen schon seit Jahrtausenden mit xy“, „Mönche im Mittelalter schworen auf xy“, „bereits Hildegard von Bingen verwendete xy“. Das klingt zwar immer spannend und nach altem Wissen, in diesen Fällen verlasse ich mich aber auch gerne auf die aktuelle Forschung und versuche die Empfehlungen mit neuen wissenschaftlichen Quellen zu untermauern. 

5. Sind die Informationen gut verständlich?

Sind die Informationen auch für Laien verständlich formuliert? 

Tipp: Sie verstehen nur Bahnhof? Dann klicken Sie weiter. Denn gute Patienteninformationen sollten auch für Nicht-Fachleute verständlich sein. Anschauliche Bilder und Grafiken erhöhen die Verständlichkeit zusätzlich.

6. Wie unabhängig sind die Gesundheitsinformationen?

Ist die Website unabhängig? Sind Werbeanzeigen als solche gekennzeichnet?

Tipp: Achten Sie darauf, wer der Betreiber oder Sponsor der Seite ist. Und welche Interessen dieser womöglich verfolgt. Redaktionelle Texte und Werbung sollten immer getrennt sein. Seien Sie besonders skeptisch, wenn Ihnen geraten wird, eine bewährte Behandlung abzubrechen.

7. Wie ausgewogen sind die Gesundheitstipps?

Sind die Informationen sachlich dargestellt? Oder fühlen Sie sich in eine bestimmte Richtung manipuliert? 

Tipp: Überzeugend sind Inhalte, in denen der jeweilige Sachverhalt neutral und ohne Wertung formuliert ist. Dazu gehört auch eine Beschreibung des Nutzens, der Risiken und der Nebenwirkungen einzelner Untersuchungen, Behandlungen oder Maßnahmen. Es sollten auch Alternativen aufgezeigt werden: Welche anderen Möglichkeiten einer Untersuchung oder Behandlung außer den beschriebenen gibt es noch? Oder was passiert, wenn die Erkrankung unbehandelt bleibt oder entsprechende Maßnahmen nicht ergriffen werden.

Aber: Alle noch so guten Informationen aus dem Internet zu Gesundheitsfragen ersetzen natürlich NIE die fachmännische Diagnose und Therapieempfehlung Ihres Arztes.

Wo finde ich gute Gesundheitsinformationen?

Als Wissenschaftsjournalistin empfehle ich Ihnen, auf den Webseiten von vertrauenswürdigen Institutionen zu recherchieren. Dazu zählen beispielsweise qualitätsgesicherte Informationsportale wie www.gesundheitinformation.de oder www.patienten-information.de, medizinische Fachgesellschaften, das Internetportal des Bundesgesundheitsministeriums, Verbraucherzentralen, die Medizin-News von Selbsthilfeorganisationen, das Portal www.netdoktor.de oder die Patienteninformationen vieler Krankenkassen.

Quellen

• Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung (2015). Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet. Abrufbar unter: https://www.patienten-information.de/checklisten/qualitaet-von-gesundheitsinformationen (Abruf 14.03.2019).

• Stiftung Gesundheitswissen (2018). Gesundheitswissen im Internet. Verfügbar unter: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/kompetenz-gesundheit/gesundheitswissen-im-internet (Abruf 14.03.2019).

• Patientenuniversität (2018). Tipps für die Suche im Internet. Verfügbar unter: http://www.patienten-universitaet.de/content/tipps-f%C3%BCr-die-suche-im-internet (Abruf 14.03.2019).

Gastautorin: Silke Orth

Wissenschaftsjournalistin und Autorin für viele Print- und Onlinemedien. Sie will komplizierte Inhalte fundiert und unterhaltsam vermitteln. Die Leserin und der Leser können sich so unabhängig informieren und eine eigene Meinung bilden. 

 
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