30. April 2019
Kategorie: Gesundheit

Montezumas Rache – so können Sie ihr entgehen

Mein robuster Magen ist gefeit vor Infektionen – dachte ich, bevor ich zum ersten Mal nach Marokko fuhr. (Und das liegt nicht in den Tropen.) Zuvor hatten Freunde mir noch Tipps gegeben, darunter solche wie: Immer einen Schluck Schnaps vor dem Essen trinken. Das tat ich nicht, ich passte aber auch nicht sonderlich auf. Ein Fehler! In Ouarzazate erwischte es mich und begleitete mich auf unserer Zugreise nach Fès. Gottseidank hatte ich ein Medikament gegen Durchfall dabei.

Reisedurchfall – typisch in tropischen Ländern

Durchfallerkrankungen aufgrund infizierter Lebensmittel oder verunreinigten Wassers sind die häufigste Erkrankung von Reisenden in tropischen Ländern. Über dreißig Prozent leiden unter Montezumas Rache. Aber auch in subtropischen Regionen und im Norden Afrikas ist ein Reisedurchfall (Reisediarrhoe) nicht selten. Die fiesen Keime besiedeln Erde, Wasser und Dünger (aus Fäkalien) und gelangen von dort auf Lebensmittel. Besonders häufig sind rohes Fleisch und Fisch befallen, aber auch die Schalen von Gemüse und Obst können infektiös sein.

Die wichtigsten Tipps für Ernährung und Hygiene

Es gibt eine Empfehlung, die wohl jeder Fernreisende schon einmal gehört hat. Sie stammt von den Briten aus der Kolonialzeit: Peel it, boil it, cook it or forget it – meiden Sie alle Lebensmittel, die nicht gekocht oder gebraten sind oder die Sie nicht selbst geschält haben.

Genauso wichtig wie dieser Rat ist: Hände waschen. Und zwar: 

  • vor jedem Essen
  • nach jedem Toilettengang
  • und immer wieder zwischendurch

Händewaschen mit Wasser und Seife gilt (neben Impfen) als die günstigste Infektionsprävention. Allerdings schützt diese Vorsichtsmaßnahme nicht, wenn Lebensmittel oder Wasser mit Keimen verseucht sind.

Fernreise: So verhindern Sie Infektionen

Auf einer Fernreise werden Sie vielen Erregern begegnen, mit denen ihr körpereigenes Immunsystem nicht gelernt hat umzugehen. Deshalb sind Sie als Tourist auch viel empfindlicher als die Einheimischen. Diese Empfehlungen können Sie vor unangenehmen Magen-Darm-Infekten schützen:

Trinken Sie nicht das Wasser aus dem Hahn, sondern nur abgekochtes oder original verpacktes, abgefülltes Wasser. 

Benutzen Sie kein Leitungswasser zum Zähneputzen, sondern nur original verpacktes Wasser aus der Plastik-Flasche.

Verzichten Sie auf Drinks mit Eiswürfeln – diese können wahre Bakterien-Bomben sein.

Meiden Sie rohes Obst und Gemüse vom Straßenstand  – oder schälen Sie es (mit frisch gewaschenen oder desinfizierten Händen) selbst gründlich, bevor Sie es verzehren. Aufgeschnittenes Obst und den leckeren Orangensaft vom Markt? Lieber nicht!

Auf Salat, rohen Fisch (auch Austern) und rohes Fleisch sollten Sie komplett verzichten.

Vorsicht auch bei Speiseeis und nicht pasteurisierten und verpackten Milchprodukten, auch diese können mit Keimen belastet sein.

Reisedurchfall – das können Sie tun

Tropenärzte empfehlen Fernreisenden unbedingt einen Durchfallblocker in die Reiseapotheke zu packen - etwa den Wirkstoff Loperamid. Da dieser Blocker nur die Symptome behandelt und den Darm blockiert, sollten Sie ihn höchstens zwei Tage einnehmen. In der Regel bessert sich der „normale“ Reisedurchfall in einem oder zwei Tagen. Packen Sie zusätzlich noch eine Elektrolyt-Lösung ein, um vor Ort den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen.

Wenn es Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen erwischt, sollten Sie vor allem eines tun: viel trinken. Entweder eine Elektrolyt-Lösung oder Sie mischen sich ein Getränk, das dieser Lösung ähnlich ist:

Mischen Sie einen Liter Orangensaft mit einem TL Salz und zwei EL Zucker oder

einen Liter schwarzen Tee mit einem TL Salz, zwei EL Zucker und dem Saft von zwei Orangen.

Halten die Durchfälle länger an, oder haben Sie einen blutigen oder schleimigen Stuhl oder Fieber, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Was ist jetzt mit der Schnaps-Idee?

Die Empfehlung, sich mit Alkohol vor Darminfektionen zu schützen, hat tatsächlich einen halbrealen Hintergrund. Spanische Forscher untersuchten ein Ereignis, bei dem sich ein großer Teil einer Festgesellschaft eine Salmonellen-Infektion zugezogen hatte,¬ einige Gäste jedoch nicht. Von den Festgästen, die mehr als drei Gläser Wein getrunken hatten, infizierte sich nur ein geringer Teil im Vergleich zu den weniger alkoholisierten Gästen – offenbar aufgrund des hohen Alkoholspiegels. Ein wirklich sinnvoller Schutz gegen Reisedurchfälle ist Alkohol aber auf keinen Fall. Denn die Menge an Alkohol, die der Reisende zu sich nehmen müsste um die Bakterien abzutöten, ist relativ hoch – und wer will schon dauerhaft betrunken durch das Reiseland torkeln. 

Quellen: 

https://www.vis.bayern.de/ernaehrung/lebensmittelsicherheit/hygiene/index.htm

https://www.gesundheitsinformation.de/reisedurchfall.2703.de.html?part=ursachenundrisikofaktoren-ob#g6qb

https://tropeninstitut.de/reisetipps/tipps-waehrend-der-reise/reisedurchfall

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11880766

Gastautorin: Anna Sinnwell

Wenn Anna Sinnwell nicht über Medizin, Gesundheit und Wellness schreibt, joggt sie durch den Stadtwald, steht im Yoga-Hund oder trifft sich mit Freundinnen zum Kaffee. Sie lebt mit ihrer Familie in München. 

 
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