8. Februar 2018
Kommentare: 2
Kategorie: Ihr Fahrzeug

Goslar Diskurs: Mobilitätsangebote der Zukunft

Die Autofahrer werden mit Fortschreiten der Digitalisierung zukünftig mehr und ganz neuartige Angebote für ihre persönliche Mobilität bekommen können – von ihren Versicherern, von den Automobilherstellern und von anderen Marktteilnehmern. Vertreter dieser Branchen und Automobilexperten diskutierten am Rande des Verkehrsgerichtstages in Goslar, welche Wege es zum Mobilitätsanbieter gibt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und welche Vorteile ein Anbieter-Wettbewerb dem Kunden bringt.

Beim diesjährigen Goslar Diskurs drehte sich alles um datenbasierte Mobilitätsdienstleistungen. Gemeint sind damit neue, zusätzliche Leistungen im Bereich Mobilität, die durch jene Daten ermöglicht werden, welche ein modernes Fahrzeug heute über seine Bordelektronik aufzeichnet. Diese vom Fahrzeug erhobenen Daten versetzen Hersteller, Händler, Versicherer und andere Marktteilnehmer in die Lage, den Autofahrern mehr Produkte und mehr Dienstleistungen passgenauer anzubieten, um ihnen Mobilität so angenehm, komfortabel, günstig und sicher wie möglich zu gestalten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass all diese möglichen Anbieter gleichen Zugang zu den in den Fahrzeugen aufgezeichneten Informationen haben, was bislang noch nicht der Fall ist, wie die Experten beim Goslar Diskurs bemängelten.

Fortschreitende Vernetzung des Autos

Hintergrund bei der Entwicklung neuer Mobilitätsleistungen sind die Fortschritte durch die rasante Entwicklung der Digitalisierung. Ein am Markt bereits sehr erfolgreiches Beispiel für einen so entstandenen neuen Service für Autofahrer ist etwa der sogenannte Telematik-Tarif, den die HUK-COBURG seit rund einem Jahr für junge Fahrer in Deutschland flächendeckend anbietet. Dieses Produkt sei so etwas wie die logische Fortsetzung des begleiteten Fahrens, erläuterte Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-COBURG, beim Goslar Diskurs. Mit dem Telematik-Angebot „Smart Driver“ können junge HUK-Kunden unter 25 Jahren bis zu 30 Prozent pro Jahr auf den Beitrag in der Kfz-Haftpflicht und -Kasko sparen, wenn sie dem Einbau einer Telematik-Box zustimmen, die während der Fahrt Daten zu Ort, Zeit, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsen und Lenken aufzeichnet. Aus diesen Daten wird dann ein Gesamtfahrwert errechnet, der die Höhe des Bonus bestimmt.

In dem „Smart Driver“-Tarif sieht Dr. Rheinländer ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie aus den in den Autos erhobenen Daten sinnvolle Angebote entstehen können, denn der Kunde spart nicht nur, sondern profitiert auch von zusätzlichen Leistungen wie dem automatischen Unfallalarm.

Kein Datenmonopol für Autohersteller

Wenn Autos zukünftig autonom fahren, fallen noch mehr fahrtbezogene Daten an als heute schon. Aus der Verarbeitung und Auswertung dieser Big Data werden ganz neue Geschäftsmodelle erwachsen, prognostizierte auch der Automobil- und Digitalexperte Stefan Gaul. Daher gebe es auch historisch gewachsene Interessenkonflikte in Bezug auf diese Daten, sagte Gaul, wie etwa zwischen den Automobilherstellern, den Versicherern, der Ersatzteilbranche, aber eben auch den Kunden. Denn sie alle wollen sich den Zugang zu den Geschäftsmodellen von morgen nicht verstellen lassen.

Daher sei es wichtig, sich erst einmal zu vergegenwärtigen, wem diese beim Fahren erhobenen Daten eigentlich gehören und dann, wie sie verteilt werden, erklärte der Vizepräsident des ADAC, Ulrich Klaus Becker. Er forderte, darauf zu achten, dass die in den Fahrzeugen erhobenen Daten als persönliche Daten definiert werden und dass der Zugang dazu diskriminierungsfrei organisiert sein müsse.

Dies bedeutet aus Beckers Sicht, dass abgesehen von den technischen Daten, die der Hersteller benötigt, alle anderen Informationen über das Fahrverhalten des Kunden den anderen Interessengruppen ebenfalls ohne Ungleichbehandlung zugänglich sein sollten. Dazu schwebt dem ADAC-Vize eine offene Telematik-Plattform vor, etwa in Form eines Shared Servers, wie Becker sagte, als ein Datennetz außerhalb der Automobilindustrie. Dort soll dann mit Zustimmung des Kunden auf dessen Daten zugegriffen werden können, etwa um einem Versicherer bestimmte Informationen zukommen zu lassen. Es gelte aufzupassen, dass in diesem Bereich nichts monopolisiert wird, warnte Becker.

Dieser Forderung schloss sich HUK-COBURG-Vorstand Dr. Rheinländer an: „Wir brauchen den freien Datenzugang, weil alles andere schlecht für den Verbraucher wäre“, argumentierte er. Denn nur bei einem freien Wettbewerb der Mobilitätsanbieter ohne Monopolstrukturen könne der Kunde gewinnen, stellte Dr. Rheinländer fest. Doch genau das funktioniert nach den Erfahrungen der Experten beim Goslar Diskurs bislang noch nicht. „Die Autohersteller wollen alles, nur nicht, dass die Daten frei sind, die ein Auto generiert“, berichtete Guido Reinking.

Wem gehören die Daten aus dem Auto?

Dabei gehörten die Daten eigentlich niemand anderem als dem Fahrer oder Halter des Fahrzeugs. Der müsse als Einziger bestimmen können, was mit seinen Daten passiert, postulierte Reinking. Wenn der Fahrer oder Fahrzeughalter diese Daten dann gegen ein gutes Angebot, wie etwa einen Telematik-Tarif oder günstigere Reifen, freigebe, sei das seine Entscheidung.

Momentan können aber Versicherer noch nicht einmal aktiv auf Daten über Schadenereignisse zugreifen, wie sie in jenem von der EU vorgeschriebenen automatischen Notrufsystem „eCall“ für Kraftfahrzeuge u. a. anfallen, das ab Ende März 2018 in alle neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge eingebaut sein muss, wie HUK-Vorstand Rheinländer kritisierte.

Forderung: Der Autofahrer muss entscheiden können

Um für den Autofahrer der Zukunft vielfältige, zielführende Angebote zur Erleichterung der persönlichen Mobilität sicherzustellen, sprachen sich die Experten beim Goslar Diskurs unisono für einen diskriminierungsfreien Zugang zu den in den Fahrzeugen erhobenen Daten aus – nach Freigabe durch den Fahrer oder Fahrzeughalter. Ein fairer Wettbewerb müsse auch bei den künftigen neuen Mobilitätsangeboten gewährleistet sein, brachte es ADAC-Vize Becker auf den Punkt.

Text (gekürzt): Goslar Institut 

HUK-Infobox:

Sie möchten sich den Goslar Diskurs in voller Länge anschauen? Zum Video geht es hier

Eva-Maria Sahm

Unternehmenskommunikation

2 Kommentare
Edison Bastri schrieb:
8. Februar 2018 um 18:37 Uhr

Zea gut

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Andreas mertin schrieb:
9. Februar 2018 um 01:39 Uhr

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